Die Nationalfalle

Kapital und Unternehmen sind international

Der wahre Grund für den Aufstieg der Rechten ist unser Steuer- und Abgabensystem

                                                       20.10.2025

Vorwort:

Wir sehen weltweit den Aufstieg der Rechtspopulisten. Die USA ist gerade dabei in Echtzeit die Demokratie abzuschaffen. Es ist ein globales Problem und daher ist es naheliegend, dass auch die Ursache global ist.
Beim Podcast mit Anne Will vom 02.10.25 sagte Kevin Kühnert:
„Er stellt sich immer nur eine Frage: Was spricht dafür, dass irgendeine Entwicklung aus den USA nicht bei uns eintritt. Ich wüsste derzeit nichts, was uns daran hindern könnte, nicht das gleiche Schicksaal zu erleiden wie die USA. Was soll der Faktor sein, dass es bei uns ganz anders läuft? Und ich finde diesen Faktor nicht.“
Aber es gibt diesen Faktor: Es ist die zunehmende Ungleichheit. Dabei geht es nicht vorwiegend um die Schere zwischen arm und reich, es geht vielmehr darum, dass wir die Leistungsgesellschaft verlieren. Unser Steuer- und Abgabensystem ist nicht das Produkt von Logik und Gerechtigkeit, sondern des Wettbewerbs der Nationen um Kapital und Unternehmen. Es liegt nicht am Kapitalismus, nicht an der Globalisierung und auch nicht am Profitstreben. Uns fehlen ganz einfach die Spielregeln.

Steuern und Abgaben sind auf globaler Ebene nicht geregelt. Dabei gab es diese Regeln mal und heraus kam die soziale Marktwirtschaft.
Soziale Marktwirtschaft hat sich bewährt und war ein Erfolgsmodell. Durch die “Nationalfalle“ wurden diese fairen Spielregeln nach und nach abgeschafft.
Wie gravierend das für die Menschen ist wird leider übersehen. Die Bevölkerung spaltet sich zunehmend und viele Menschen verlieren den Glauben an das etablierte System – sie wählen die Partei, die sich gegen das bestehende System stellt – überall auf der Welt. Wir müssen dringend zur Sozialen Marktwirtschaft und damit zur Leistungsgesellschaft zurückkehren, sonst hat die Demokratie keine Chance.

Holen wir uns die Soziale Marktwirtschaft zurück mit einer
Steuerrevolution und der Sozialversicherung 2.0

Das hier ist ein Entwurf, als Grundlage zur Diskussion und Weiterentwicklung der Idee. Der Text ist weder lektoriert, redigiert, noch auf korrekte Sprache geprüft. Das kommt alles später, im ersten Schritt geht es nur um den Inhalt. Ich freue mich über jede Rückmeldung und Kritik. Und hoffe, dass ich MitstreiterInnen finde.

Wirtschaft wächst – Kaufkraft sinkt – wie kann das sein?

Viele Menschen in Deutschland sind überzeugt: Irgendwas läuft grundsätzlich falsch in diesem Land. Und diese Menschen haben Recht.
Denn wir erleben einen Wandel – einen sozialen Wandel. Wir sind dabei die Leistungsgesellschaft zu verlieren. Früher galt das Versprechen: Wenn du hart arbeitest, kannst du es zu etwas bringen. Du kannst dir ein Eigenheim, ein eigenes Auto und einen Jahresurlaub auf Mallorca leisten. Das war noch in den 80er Jahren für die breite Mittelschicht vollkommen normal. Vorbei.
Die Journalistin Julia Friedrichs beschreibt in ihrem Buch “Working Class“ eindrucksvoll, was das bedeutet. Viele Jobs, die in den 80er ein zufriedenes Leben in der Mittelschicht ermöglichten, tun dies heute nicht mehr.Eine Postbotin heutzutage in Hamburg, bei einem privaten Briefzusteller hat ein komplett anderes Leben als ihr Vater, der bis Anfang der 90er Postbeamter war. Ihr Vater hat ein Eigenheim, Auto und Jahresurlaub auf Borkum, ganz selbst-verständlich. Insgesamt ein zufriedenes Leben in der Mittelschicht. Sie hat aufgrund der horrenden Miete in Hamburg keine Möglichkeit so zu leben. Eines Tages ging ihr pensionierter Vater mit ihr zusammen auf Tour. Er stellte fest: Der Stress und das Arbeitspensum haben sich verdoppelt. Hier stimmt was Grundlegendes nicht mehr.

Auch die Dokumentation “Ungleichland“ verdeutlicht dieses Phänomen. Dort wird der Ingenieur Thomas Clauß begleitet. Er arbeitet bei Siemens Leipzig in einer gehobenen Position. Als er für sich und seine Familie eine Wohnung in Leipzig kaufen will, funktioniert das nicht. Zu wenig Eigenkapital. Eine 100 m2 Wohnung kostet in Leipzig in guter Lage schon eine halbe Million Euro. (mit Maklercourtage, Notar, Grundsteuer etc.) Stattdessen gehen die neu gebauten Wohnungen an reiche Menschen aus Westdeutschland als Kapitalanlage. 94% der Eigentumswohnung in Sachsen gehen an Käufer, die nicht aus Sachen kommen – 94 Prozent!
https://www.spiegel.de/start/ungleichland-das-musst-du-ueber-die-ard-dokumentation-wissen-ueber-die-gerade-alle-reden-a-00000000-0003-0001-0000-000002361234

Früher war es einem Ingenieur in gehobener Position durchaus möglich sich Wohnungseigentum zu leisten. Stattdessen bleibt es heute bei einem Mietverhältnis und damit beim Abhängigkeitsverhältnis zu den steigenden Mieten.
Warum ist das so?
Vieles ist heute ohne “finanziellen Background“ wie einer Erbschaft, einem wohlhabenden Partner, hochbezahlten Job etc. nicht mehr möglich. Nicht nur beim Wohneigentum ist das ein Problem, denn wie erleben ständig neue Preisrekorde, z.B. bei Mieten, Festivals, Energie, Gastronomie, Handwerker, etc.
Vor allem die stark gestiegenen Mieten werden zur Kostenfalle, so dass viele Menschen nur so gerade über die Runden kommen, obwohl sie hart arbeiten. Für Freizeit, Kultur oder Urlaub ist dann oft kein Geld mehr da, sie fühlen sich ausgeschlossen von der Gesellschaft. Und dann ist da auch noch die drohende Gefahr der Altersarmut. Vor allem die Jüngeren wissen, dass das Rentensystem für sie nicht ausreichen wird. Logisch, dass vor allem junge Menschen besonders frustriert sind. Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit gut 2000 Befragten zeigt dies (Jugend in Deutschland – Trendstudie 2024):
„Die großen finanziellen Sorgen der jungen Menschen in Deutschland aufgrund von Inflation (65%), teurem Wohnraum (54%) und Altersarmut (48%), aber auch die Spaltung der Gesellschaft (49%) oder die Zunahme von Flüchtlingsströmen (41%) führen zu hoher Unzufriedenheit der jungen Generation mit ihrer Lebenssituation und den politischen Verhältnissen. Das Potenzial für rechtspopulistische Einstellungen in der jungen Generation hat sich deutlich verstärkt, wie ein Vergleich mit früheren Studien zeigt.
https://ijab.de/alle-kurzmeldungen/neue-trendstudie-jugend-in-deutschland-2024-veroeffentlicht

Die alles entscheidende Frage ist: Was ist nur passiert?

Denn: Vor 24 Jahren gab es diesen Pessimismus nicht. Damals wurde auch die Jugend befragt: Hier ein Zitat aus der Jugendstudie aus dem Jahr 2000: „Leistungsbereit und ziemlich optimistisch macht sich die Generation 2000 auf den Weg“ schrieb der Spiegel damals:
https://www.spiegel.de/panorama/leicht-verkrampfte-zuversicht-a-2b070e7a-0002-0001-0000-000016044531?context=issue
Eine Angst vor Inflation gab es damals nicht. Die Jugend war damals ziemlich optimistisch. Was ist nur passiert in den 24 Jahren? Wie ist es zu erklären, dass die Jugend sich so gedreht hat? Ist die Inflation so stark gestiegen? Nein, die durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland von 2000 bis 2024 betrug 1,7 % pro Jahr. Zwar gab es in den Jahren 2022 eine Inflation von 6,9% und 2023 waren es 5,9%. Diese beiden Jahre sind aber die absolute Ausnahme. Im Durchschnitt waren es in den 24 Jahren tatsächlich 1,7% – das sind die Fakten.
Gab es womöglich in den 24 Jahren einen wirtschaftlichen Rückgang?
Ist unser Wohlstand unsere Kaufkraft gesunken? Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Die deutsche Wirtschaft wuchs sogar sehr kräftig. Das Bruttoinlands-produkt (BIP) stieg um das 1,8-fache in den 24 Jahren und zwar inflations- und preisbereinigt. Wir haben also heute im Durchschnitt fast die doppelte Kaufkraft im Vergleich zum Jahr 2000. Wow! Das ist überraschend und fühlt sich nicht so an. Die Jugendstudien widersprechen den Wirtschaftsdaten komplett. Sie hätten genau andersherum sein müssen. Die Zuversicht hätte bei den jungen Menschen deutlich steigen müssen, denn fast die doppelte Kaufkraft ist enorm. Stell dir einfach dein Gehalt mal 1,8 vor.
Das klingt so paradox, dass ich hier die Wirtschaftsdaten zeigen muss.
Aber Obacht: Googelt man jetzt nach dem Bruttoinlandsprodukt findet man vor allem das sogenannte „nominale“ BIP und das ist eben nicht preisbereinigt und hat daher keine Aussagekraft. Es hat mich überrascht, dass es dennoch hauptsächlich in der Suche erscheint. Um das wirklich vergleichen zu können, braucht es daher ein “reales“ BIP welches inflations- und preisbereinigt ist – damit wird die tatsächliche Kaufkraft zeigt. Es ist gar nicht so einfach zu finden, vor allem wenn man weit zurückgehen möchte. Nach langer Suche wurde ich fündig. „Deutschland in Daten“ von Dr. Thomas Rahlf und 23 weiteren Autoren.

BIP preisbereinigt
Wirtschaftswachstum Deutschland

Diese Grafik zeigt das preisbereinigte BIP, also unsere Kaufkraft von1950 bis 2024. Abgesehen von einer Stagnation von 1990 bis 2000 (Wiedervereinigung) und aktuell von 2023 bis 2025 steigt unser Bruttoinlandsprodukt stetig an und das wohlgemerkt inflations- und preisbereinigt. Zeigt denn das BIP wirklich unsere Kaufkraft? Ja, wenn wir vom BIP ca. 10% bis 15% abziehen ist es das Volks-einkommen und da die sogenannte Schattenwirtschaft (Schwarzarbeit) nicht erfasst wird, ist es im Grunde sogar ziemlich exakt das Volkseinkommen. Denn die Schattenwirtschaft wird auf ca. 10% bis 15% geschätzt.
Es ist also richtig. Doch wie kann das sein? Es macht keinen Sinn, wenn wir auf der einen Seite fast die doppele Kaufkraft haben, und auf der anderen Seite immer größere Schwierigkeiten die Miete zu bezahlen. Es sollte auch viel einfacher sein, sich ein Haus zu kaufen usw. Die Jugendstudien sind paradox.
Auch die Postbotin gibt Rätsel auf im Vergleich zu ihrem Vater. Denn seit 1980 haben wir sogar eine 2,25-fache gestiegene Kaufkraft. Ihr sollte es mehr als doppelt so gut gehen. Antwort: Die gestiegene Kaufkraft ist ein Durchschnittswert. Die Kaufkraft hat sich äußerst ungleich verteilt.

Ungleichheit schafft ungleiche Kaufkraft
Unser Steuer- und vor allem Abgabensystem ist so eingestellt, dass die Ungleichheit zunimmt, wenn die Wirtschaft wächst.
Daher hat sich die gestiegene Kaufkraft äußerst ungleich verteilt, und sie ist faktisch sogar bei den unteren 30% bis 40% der Bevölkerung gesunken. Dafür haben die oberen 15% eine dramatisch gestiegene Kaufkraft im Vergleich zu 2000.
Deutschland ist was das Vermögen betrifft eines der ungleichsten Länder der Welt: Hier eine Grafik, die das Vermögen von 2003 (gelb) und das Vermögen von 2012 (rot) zeigt.

Vermögensverteilung
Deutschland ist eines der ungleichsten Länder der Welt

https://crp-infotec.de/deutschland-vermoegensverteilung

Die eine Hälfte der Bevölkerung hat fast gar nichts und die andere Hälfte sehr viel. Vor allem aber sieht man hier eine Entwicklung: der rote Bereich ist in 9 Jahren dazugekommen von 2003 bis 2012 – heute ist es noch weit mehr.
Und das ist äußerst wichtig: Denn wir sehen hier einen Trend.
Die Wohlhabenden werden immer wohlhabender, Jahr für Jahr. Sie profitieren von unserem Steuer- und Abgabensystem. Das ist der soziale Wandel, von dem ich anfangs sprach. Anders als beim Klima, wird dieser Wandel kaum beachtet.
Und schauen wir uns nur den gelben Bereich an: Im Jahr 2003 war die Ungleichheit noch deutlich moderater als 2016. Wir werden immer ungleicher. Und es ist gewaltig viel Geld: So schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftswissenschaften (DIW) das Gesamtvermögen der Deutschen auf 17,8 Billionen € also 17.800 Mrd.€.

https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/erbschaft-und-vermoegen-warum-wir-die-wahren-werte-nicht-kennen,UyBaJtI

https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-20845.htm

Das reichste Hundertstel der deutschen Haushalte verfügt nach den üblichen Statistiken über etwa zwei Billionen Euro. Tatsächlich könnten es dreieinhalb Mal so viel sein. Doch es gibt Schwierigkeiten bei der Erfassung des Reichtums.
Vermutlich ist es sogar noch weit mehr, denn sie Superreichen schaffen ihr Geld gerne ins Ausland. Ein grundlegendes Problem ist die fehlende Vermögens-erfassung in Deutschland. Wie gewaltig das Privatvermögen ist, wird durch einen Vergleich deutlich:

Ende 2024 betrugen die Staatsschulden in Deutschland 2,51 Billionen €. Das Privatvermögen ist also 7-fach größer als die Staats-verschuldung. Würden sämtliche Staatschulden auf einen Schlag von dem Privatvermögen bezahlt, läge es immer noch bei 15,29 Billionen €. Das wären dann immer noch unglaubliche 183.092 € pro Person, und zwar vom Säugling bis zum Greis vom Geflüchteten bis zum Gefängnisinsassen. Eben pro Kopf – also alle.  Bei einer 6-köpfigen Familie wären das 1.098.551 € – Krass, also eine gute Million für jede sechsköpfige Familie in Deutschland. Ich konnte es selbst nicht glauben, habe es immer wieder durchgerechnet, es stimmt. Und Deutschland wäre komplett schuldenfrei. Wir sind also eigentlich unfassbar reich – aber eben nur ein Teil der Bevölkerung und der dafür so richtig krass. Die eine Hälfte hat eben nichts, und die andere entsprechend doppelt.
Fairerweise muss man dazu sagen: der Großteil des Privatvermögens steckt in Betrieben, Immobilien und anderen wirtschaftsrelevanten Dingen. Daher hätte nicht jede Person einfach 183.092 € in bar, aber nichtsdestotrotz ist der Wert als solches ungefähr richtig. Deutschland ist erstaunlich reich. Das zeigt auch die Statistik im internationalen Vergleich:

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/charts-interaktiv-die-groessten-volkswirtschaften-der-rasante-aufstieg-von-china-und-indien

Diese Grafik zeigt eindrucksvoll wie reich Deutschland ist, abgesehen davon wie krass reicher die USA sind. Wir sind auf Platz 2 weltweit was das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrifft. Und pro Kopf heißt wirklich alle. Silber-medaille, Wow. Wenn wir das BIP nicht pro Kopf rechnen, sondern absolut, sind wir auf Platz 3 hinter China.
Allerdings: Es fehlen in der Grafik „Kleinländer“ wie die Schweiz, Luxemburg, Katar, Irland, Singapur, Dänemark, Norwegen…
Die haben pro Kopf ein noch höheres BIP als die USA. Diese Kleinländer sind aber fast immer so wohlhabend wegen der Rohstoffe oder niedriger Steuern (Steueroase). Nur Dänemark macht hier eine Ausnahme, z.B. wegen der Stiftungsmodelle (Extra Artikel)Die Grafik beschränkt sich auf die größten Volkswirtschaften der Welt.

Lass doch die Reichen reich sein

Wo ist das Problem mit dem Vermögen? Ist es denn nicht gut, wenn ein Land viel Geld hat? Und was hat das mit der pessimistischen Jugend zu tun und warum können sich so viele kein Eigenheim mehr leisten, die es früher konnten?
Antwort: Inflation funktioniert anders als gedacht: Das viele Geld treibt die Preise hoch – und zwar bei allem was begrenzt und begehrt ist.

Der Begrenzt- und Begehrt- Effekt

Beide Faktoren müssen zusammenkommen. Ein Produkt oder eine Dienstleistung steigt immer dann deutlich über die Durchschnitts Inflation, wenn es begrenzt und begehrt ist. Dabei gilt: Je begrenzter und begehrter, desto teurer. So einfach ist das. Die Inflationsrate, die wir regelmäßig zu hören bekommen ist eben nur ein Durchschnittswert von tausenden Produkten und Dienstleistungen.
1,7 % pro Jahr ist nur der Durchschnitt. Und einige Produkte und Dienstleistungen weichen gravierend davon ab. Teilweise 10-fach oder sogar mehr über die normale Inflation hinaus. Warum ist das so? Das gigantische Privatvermögen wird selbstverständlich investiert, bevorzugt in Dinge, die im Wert steigen. Und richtig: Das sind immer Dinge, die begrenzt und begehrt sind wie beispielsweise Immobilien. So auch in Leipzig, bei dem oben genannten Beispiel des Siemens Ingenieurs. Wohnungen in attraktiven Lagen sind begehrt (und begrenzt) und dies führt zwangsläufig zu einem Wettbewerb. Und der Höchstbietende gewinnt. Und genau das treibt die Preise hoch, so dass der Ingenieur eben keine Chance hat gegen Käufer die bereits Eigenkapital mitbringen. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Das ist ein Grund warum 94% der Wohnungen in Leipzig an vermögende Menschen gehen. Die Formel: Je begrenzter und begehrter desto teurer, lässt sich praktisch auf alles anwenden. Z.B. in München wo die Immobilien Preise eskalieren. Der derzeitige Durchschnittspreis für eine Wohnung liegt bei 9108 € pro Quadratmeter. Eine 100 Quadratmeterwohnung kostet daher mit Notar, Makler und allem inclusive eine Million €. Wahnsinn. In guter Lage auch deutlich mehr. Wird aber verkauft. Ansonsten würden die Preise nämlich runter gehen. Angebot und Nachfrage. Wer ohne finanziellen Background kann sich eine Wohnung für 1 Million Euro leisten? In anderen Städten ist es ähnlich, die Immobilienpreise liegen überall deutlich über der Durchschnittsinflation, dort wo es begehrt und begrenzt ist. Die hohen Immobilienpreise hängen auch mit dem Bauland zusammen. In Deutschland kostete ein Quadratmeter Bauland im Jahr 1992 gerade mal 43 €. Mit dem Inflationsrechner ermittelt wären das im Jahr 2025 immerhin 82,77 €.  
https://www.finanzen-rechner.net/inflationsrechner.php

So teuer sollte heute also Bauland sein, wenn es sich ganz normal nach der Gesamtinflation verhalten hätte. Hat es aber nicht:
Heute (2025) kostet ein Quadratmeter Bauland im Durchschnitt 247,18€
https://wohnglueck.de/artikel/baureifes-land-deutschland-kosten-45158
Das ist fast 3-mal mehr, als es eigentlich sollte. Aber Achtung: Es ist ein Durchschnittswert, darin enthalten sind auch Gegenden wo kaum jemand wohnen möchte. Da, wo die Menschen gerne wohnen, ist es natürlich noch viel teurer. So kostet der Quadratmeter in Berlin derzeit: 1.177 €
Und das im Durchschnitt für ganz Berlin – Das ist dann das 14-fache, dessen was er eigentlich inflationsbereinigt hätte kosten sollen. Wahnsinn!
Wer bitte kann sich das leisten? Ohne das viele Geld wären solche Preise nicht realisierbar. Und es ist sogar noch mehr Geld, da es auch aus dem Ausland kommt. In Deutschland ist es nämlich kein Problem als Ausländer Grund und Boden oder Immobilien zu erwerben – bringt doch Geld ins Land.
Deutschland gilt als krisensicher und damit als sichere Geldanlage.
Grund und Boden oder Immobilien in guter Lage sind immer begrenzt und damit begehrt. Lass die Reichen reich sein? Nein – denn es wird vieles unfassbar teuer. Hier eine weitere Quelle: https://europace.de/epx-mean/

Auf dieser Website stehen auch die durchschnittlichen Kosten für ein Einfamilienhaus mit 131 m2 und 445 m2 Grundstück.
Das ist so die Standardgröße, die es braucht für eine Familie.
2005 kostetet das: 206.000 € und 2025 dann 567.437 €
Wenn die Kosten nach der Durchschnittsinflation gestiegen wären, würden es heute (2025) nur 306.288 € kosten.
https://www.finanz-tools.de/inflationsrechner-preissteigerung

Das macht genau den Unterschied aus. Während 306.288 € für viele Mittelschichtler durchaus bezahlbar wäre, sind es 567.437 € eben nicht mehr. Früher war tatsächlich vieles besser. Die Menschen haben recht.

Es sind nicht nur die “Superreichen“, die die Preise nach oben treiben

Beim Thema Ungleichheit werden oft die oberen 10% genannt. Dabei zeigt die Grafik der Vermögensverteilung: Gut die Hälfte der Deutschen hat Vermögen und – wer hätte das gedacht – genau diese Hälfte hat auch eher ein höheres Einkommen. Und das macht sich deutlich bemerkbar: Viele Freizeit- und Kulturveranstaltungen sind nämlich auch begehrt und begrenzt. Schauen wir uns z.B. die Ticketpreise für Festivals an. Die Preise haben sich krass gesteigert, deutlich mehr, als es durch die Inflation zu erklären wäre. So kostete in Roskilde 1978 das Ticket 13 € (100 Kronen) das entspricht heute exakt 37,03 € wenn ich die Inflation rausrechne. Und 1978 war das Roskilde Festival schon groß, es traten unter anderem Bob Marley und Elvis Costello auf. Für einen Normalverdiener, wäre es auch heute für 37,03 € gar kein Problem das Roskilde Festival zu besuchen. Doch 2025 kostete ein Roskilde Ticket 342 €, das ist also fast 10-mal mehr, als die eigentliche Inflation hergibt.

Und das ist bei allen Festivals ganz ähnlich. Im Jahr 2000 kostete das Wacken Ticket noch knapp 50 € mit Buchungsgebühren. Das wären laut Inflationsrechner im Jahr 2025 entspannte 80 €. Wären also die Ticketpreise stabil geblieben, könnten wir heute immer noch für 80 € das Festival besuchen – unvorstellbar, oder? Und das Beispiel zeigt schon, warum die Jugend im Jahr 2000 noch so optimistisch war. Denn statt inflationsbereinigter 80 € kostet ein Wacken Ticket heute 349 € (für 2026), und dann kommt noch ein ganzer Batzen dazu. Mit Getränken, Verpflegung und Anreise ist man also locker 600 € und mehr los. Denn auch Benzin, Getränke, Essen etc. ist alles deutlich teuer geworden, als es die Inflation hergibt. 600 €, das ist nicht nur für die Jugend grenzwertig. Aber hier hört es noch nicht auf, denn das einfache Camping ist zwar im Preis inbegriffen, aber ganz eindeutig für Unerschrockene, denn Wacken ist berüchtigt für Schlamm und Regen. Möchte man einen befestigen Campingplatz kostet das mindestens 258 € extra. Und für die gut Betuchten gibt es dann sogar Tiny Häuser die über 3000 € kosten, für eine knappe Woche. Und doch ist Wacken immer ausverkauft -in der Regel schon am ersten Tag der Ticketfreigabe.

Wir steuern auf eine 3 Klassen Gesellschaft zu, nicht nur in Wacken, sondern generell. Noch nicht so dramatisch wie in den USA, es ist aber nur eine Frage der Zeit. Begrenzt und begehrt heißt immer: die Preise steigen sehr deutlich über das Inflationsniveau. Das war früher nicht so, weil ganz einfach das Geld nicht da war. Früher waren wir auch schon ungleich, aber nicht in diesem Ausmaß. Natürlich würden auch in einer idealen Gesellschaft gewisse Preise mehr steigen als andere. Aber nicht 10-fach über der Durchschnittsinflation. Denn wir sind seit dem Jahr 2000 ganze 1,8-mal wohlhabender im Durchschnitt. D.h. die oberen 40% sind in Wirklichkeit um ein Vielfaches wohlhabender und treiben damit die Preise nach oben (Siehe Grafik Vermögensverteilung).

Wer es immer noch nicht glauben kann, schaue nach Amerika.

Denn das Prinzip ist überall gleich auf der Welt, nur dass die USA uns in Sachen Ungleichheit ca. 10 bis 20 Jahre voraus sind. Daher ist dort die “Begrenzt- und Begehrt- Inflation“ wesentlich höher als bei uns. Und das sieht man zum Beispiel bei den Ticket Preisen – vor allem durch das Dynamic Pricing, wo der Preis online durch Angebot und Nachfrage entsteht und schnell die 1000 $ pro Ticktet überschritten werden. https://www.deltaradio.de/ein-ticket-fuer-51-000

Bei Taylor Swift wurden die Ticketpreise so teuer, dass es günstiger war nach Europa zu fliegen, um ihr Konzert zu besuchen – wie verrückt ist das denn?

https://www.spiegel.de/kultur/musik/taylor-swift-loest-reisewelle-unter-us-fans-nach-europa-aus-weil-ticketpreise-in-den-usa-so-hoch-sind-a-69e7bc6b-9560-4192-af07-3e87114b9623

In den USA ist die Ungleichheit eben noch deutlich größer und es gibt viele Millionen Amerikaner für die ein Taylor Swift Ticktet über 500 $ gar kein Problem ist, die sogar Familienangehörige mitnehmen, obwohl die gar nicht so wild auf die Show sind. Und auf der anderen Seite viele echte Fans, für die Taylor Swift unerreichbar bleibt, weil 500 $ einfach zu viel ist und das, obwohl sie hart arbeiten, teilweise sogar sehr hart. Oder sie müssen dafür lange sparen und auf vieles verzichten. Natürlich ist das frustrierend. Es geht aber nicht nur um Konsum und Freizeit, auch elementare Lebensbedürfnisse sind betroffen.

Normalverdiener werden ausgegrenzt

Auch die Mieten steigen sehr deutlich über das Inflationsniveau.

Warum? Je begehrter (und automatisch damit begrenzt), desto höher die Miete. Irgendwo im Nirgendwo der Agrarsteppe sind die Mieten nicht gestiegen. Die Mieten steigen nicht einfach so, als wäre es ein Naturgesetzt. Die Mieten steigen dort, wo die Menschen besonders gerne wohnen. Und durch das viele Geld, gibt es genügend Menschen, die diese zahlen können. In vielen Städten werden daher mit der Zeit Normalverdiener an den Stadtrand oder aufs Land gedrängt und müssen zur Arbeit pendeln. Attraktive Viertel werden besonders teuer. Dieses Phänomen wird auch “Gentrifizierung“ genannt und dort wo viele wohlhabende Menschen wohnen werden andere Güter und Dienstleistungen ebenfalls teurer. Daher fühlen sich so viele zu Recht ausgegrenzt, im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ist eben viel mehr als die viel beschriebene Schere zwischen arm und reich, weil es eben Normalverdiener trifft.
Und daran ändert der Neubau von Wohnungen auch nur wenig.

Denn in den begrenzten und begehrten Lagen können wir gar nicht so viele neue Wohnungen bauen, dass diese nicht mehr begrenzt wären.
Einer der wenigen, der dieses Inflations-Prinzip erklärt, ist der ehemalige Investmentbanker Gary Stevenson:

https://www.fr.de/wirtschaft/immobilien-ex-trader-fuerchtet-um-mittelschicht-nennt-die-wahren-gruende-hinter-krise-zr-93886439.html

Und auch hier gilt: es ist ein globales Phänomen. Gentrifizierung finden wir überall immer nach der Regel: Je begehrter und begrenzter, desto teurer. So ist das Wohnen in den attraktiven Lagen von New York, London, oder San Francisco heute schon für Normalverdiener nicht mehr finanzierbar. Die Leistungsträger, die alles am Laufen halten, müssen pendeln und werden ausgegrenzt. Oder es kommt zu Entwicklungen wie in Hong Kong wo tatsächlich Wohnwaben oder “Wohnsärge“ vermietet werden, die dann dennoch über 500 Dollar im Monat kosten. Also nur ein Schlafplatz, wo man nicht mal stehen kann. Weniger geht einfach nicht. Auch in Deutschland wird es irgendwann so sein. Die Mieten steigen sehr deutlich über die Durchschnittsinflation. So betrug in München die Durchschnittsmiete 1972 ca. 3 DM pro Quadratmeter. Das wären laut Inflationsrechner heute 5,67 €. Wären die Mieten nur nach der Inflation gestiegen, lägen sie heute bei gerade mal 5,67 €. Das sind die Fakten.
Der Quadratmeter kostet in München aber derzeit 22,63 € (Stand Juli 2025). Damit liegt die Miete 4-fach über der Inflation. Das bedeutet konkret: Eine 50 m2 Wohnung kostet heute ca. 1131,5 € kalt, im Durchschnitt, sollte aber eigentlich inflationsbereinigt nur 285 € kosten. Wow, was für ein Unterschied. Es kann nur einen Grund für diese Entwicklung geben: Die steigende Ungleichheit verbunden mit Wirtschaftswachstum und entsprechend mehr Geld.

Natürlich würden Dinge, die begrenzt und begehrt sind, auch bei einer vernünftigen Vermögensverteilung über die Durchschnitts-Inflationsrate steigen. Aber nicht 4-fach, weil es der Markt nicht hergibt. Das zeigt eben die Vergangenheit. In den 60er bis 80er Jahren gab es auch schon teure Wohnviertel. Eine Gentrifizierung ganzer Innenstädte aber nicht, auch nicht in London, San Francisco oder New York. Im Jahr 2000 gab es zwar schon einiges an ungleichem Vermögen, aber noch so moderat, dass die Jugend noch optimistisch in die Zukunft schaute. Es ist paradox: Wirtschaftswachstum ist eine gute Sache, unser Wohlstand und unser Sozialstaat hängen davon ab. Und denken wir an die Errungenschaften der modernen Medizin, müssen sogar Konsumkritiker ins Grübeln kommen. Denn ohne die Wirtschaftskraft wären medizinische Fortschritte und entsprechende Technik nicht denkbar. Doch wenn unser Steuer- und Abgabensystem so eingestellt ist, dass die Ungleichheit immer weiter zunimmt, steigen auch die Mieten. Insgesamt werden die so entstehenden Spannungen die Demokratie zerstören.

Wir leben in einer Art von Paradies, das für viele nicht zugänglich ist
Noch nie gab es so eine Fülle von Kultur- und Freizeitmöglichkeiten, Konsumgüter, und andere Annehmlichkeiten. Überall ist das viele Geld zu sehen: Ob bei Autos, Segelbooten, Häusern, Kreuzfahrtreisen, teure Lasten E Bikes und so vieles mehr. Durch Social Media werden teure Urlaubsreisen und andere Freizeitaktivitäten als “normal“ dargestellt. Im Vergleich zu den 80er Jahren sind wir umgeben von Luxus. Selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie das Mieten eines E-Rollers oder sich leckeres Essen nach Hause liefern zu lassen kostet Geld. Auch das kann bei einigen Normalverdienern schon knapp werden, wenn die Miete über 50% des Einkommens beträgt. Und das betrifft eben auch die Mittelschicht. Wohnen ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für eine gerechte Gesellschaft. Der Siemens Ingenieur kann sich keine Eigentumswohnung leisten und das bedeutet für das Alter einen großen Unterschied.
Denn in 40 Jahren Berufstätigkeit muss er eine gigantische Summe an Miete an den Eigentümer der Wohnung zahlen. Dieses Geld hätte er sonst in seine eigene Wohnung gesteckt, die früher dann schon nach 25 Jahren abbezahlt gewesen wäre. Dieser Unterschied macht aus, ob er sich als Rentner ein angenehm sorgenfreies Leben leisten kann oder nicht. Ob er teilhaben kann am „Paradies“ oder nicht. Zudem hat ein Mieter eben auch nichts zu vererben an seine Kinder.

Wer eine 6 würfelt darf nochmal, wer eine 1 würfelt nicht

Das Geld bleibt da wo es ist – ein Teufelskreis.

Ohne Vermögen ist es heute sehr schwer geworden neues Vermögen aufzubauen. Dieser Effekt führt dazu, dass das Geld bleibt wo es ist. Wer vermögend ist kann sein Vermögen in der Regel ausbauen und vererbt es dann. Durch den “Begrenzt und Begehrt Effekt“ steigt der Wert von Baugrund und Immobilien immer weiter. So werden die ohnehin Vermögenden noch reicher, während die ohne Vermögen immer chancenloser werden – ein Teufelskreis.

In Deutschland gehören etwa 64% der Mietwohnungen Privatpersonen.
Das größte Wohnungsunternehmen in Deutschland ist Vonovia und hat gerade mal 20% der Mietwohnungen. Diese 64% der Wohnungen gehören natürlich eher der wohlhabenden Hälfte der Bevölkerung, vorwiegend westdeutsch. Diese vielen Millionen Wohnungen werden irgendwann alle vererbt. Das ist gewaltig viel.
In Deutschland sind es ca. 400 Milliarden € die jedes Jahr vererbt werden. Der Bundeshaushalt in Deutschland beträgt im Jahr 2025: 502,55 Milliarden €. Es werden also fast 80% des Bundeshaushaltes vererbt – jedes Jahr – Tendenz steigend. Dieser gigantische Geldsegen prasselt jedes Jahr aber nur auf die Hälfte der Bevölkerung und davon vor allem die reichsten 15%. Jedes Jahr 80% des Bundeshaushaltes.
Ein Teufelskreis, der bereits schon heute deutliche Auswirkungen hat.
Unser Steuer- und Abgabensystem zementiert den Zustand: Wer hat, bekommt mehr, wer nichts hat wird auch weiterhin leer ausgehen.
Am Ende zählt daher nicht die Leistung, sondern der Zufall.

Kein fairer Wettbewerb:

Wenn ich heute in Berlin, Hamburg oder München ein Yogastudio eröffne, ist das ganz ohne finanziellen Background fast unmöglich. Warum? Es gibt eben nur eine begrenzte Anzahl von tragfähigen Yogastudios in einer Stadt. Es kommt daher zu einem Wettbewerb. Denn auch Yogastudios sind begrenzt und begehrt.
Wer jetzt z.B. einen wohlhabenden Partner hat, zusätzliche Mieteinnahmen oder was geerbt hat, kann eben auch nach Abzug aller Kosten mit gerade mal 1500 € Netto Gewinn pro Monat durchkommen. Dieses Geld ist dann eben zusätzlich, da die Grundversorgung schon steht. Wer aber zu 100% auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist, kommt mit einer Netto Summe von 1500 € vorne und hinten nicht zurecht. Denn allein die Sozialversicherung (Krankenkasse, Pflege- und Rentenversicherung) kostet einen Selbstständigen schon ca. 1000 € pro Monat. https://www.vgsd.de/vgsd-kaempft-fuer-beitragsgerechtigkeit-drei-gruende-warum-selbststaendige-zu-viel-sozialbeitraege-zahlen/

Ich las darüber vor Jahren einen Bericht in der “Zeit“, in dem eine junge Frau ein Yogastudio in Berlin eröffnet hat. Obwohl es gut lief, reichte es einfach nicht, um eine Selbstständigkeit damit zu finanzieren. Sie hätte die Preise massiv anheben müssen, wäre damit aber einfach zu teuer. Dieses Phänomen finden wir in vielen kreativ künstlerischen Berufen, aber auch häufig bei Selbstständigkeit ganz grundsätzlich. Wer heute eine kleine Modeboutique, Antiquariat oder etwas ähnliches eröffnen möchte, kann das ohne finanziellen Background kaum schaffen. Aber auch bei Unternehmensgründungen, Start Ups und so weiter wird es schwer ohne etwas Geld im Hintergrund. Ganz einfach da im Wettbewerb diejenigen mit finanziellem Background einen großen Vorteil haben. Leistung allein reicht heute nicht mehr. Das ist kein fairer Wettbewerb. Ich könnte noch zahlreiche weitere Beispiele nennen. Es durchdringt viele Bereiche der gesamten Gesellschaft.

Es gibt ein wichtiges Kriterium zur Gerechtigkeit: Es ist die soziale Mobilität. Sie beschreibt die Aufstiegschancen von Menschen aus einfachen finanziellen Verhältnissen. Die Soziale Mobilität nimmt seit den 70er Jahren kontinuierlich ab. Damit auch die Einkommensmobilität. Arm bleibt arm – reich bleibt reich. Das war früher nicht so. https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-09-05/soziale-mobilitaet-deutschland-geht-zurueck

Martyna Linartas bringt es in ihrem Buch “Unverdiente Ungleichheit“ sehr gut auf den Punkt:

„Reichtum durch Arbeit? Fast unmöglich.
Jeder ist seines Glückes Schmied? Nur im Märchen.
Die entscheidende Frage lautet:
Arbeitest du noch oder erbst du schon.“

Ungleichheit ist heute das Ergebnis von Zufall, und nicht mehr von Leistung

Ungleichheit ist grundsätzlich in Ordnung und sogar wichtig in einer sozialen Marktwirtschaft. Wenn sie aber so groß wird, dass alles was begrenzt und begehrt ist doppelt bis 15-fach über der Durchschnittsinflation liegt, entsteht ein Teufelskreis. Menschen ohne Vermögen können dann kein eigenes Vermögen mehr aufbauen, so wie der Siemens Ingenieur. Ihr Geld fließt dann ausgerechnet an die, die ohnehin schon vermögend sind. Normalverdiener ohne Erbschaft werden zunehmend ausgegrenzt. Daher basiert die zunehmende Ungleichheit nicht mehr auf dem Leitungsprinzip. Aber in einer sozialen Marktwirtschaft ist genau das grundlegend wichtig. Wer richtig Gas gibt und ins Risiko geht, der soll im Erfolgsfall entsprechend profitieren und mehr verdienen. Wir sind aber immer mehr auf dem Weg zur Erbengesellschaft und entfernen uns immer weiter von der Leistungsgesellschaft. Wenn ich trotz harter Arbeit nicht teilhaben kann an der Gesellschaft, schafft das eine tiefsitzende Frustration.
Verständlich, dass einige Menschen dann einen großen Groll gegen das System entwickeln und nach “Schuldigen“ suchen. Daher wirkt die Brandmauer wie ein Gütezeichen das sagt: Wir sind gegen das bestehende System.
Es ist eben mehr als nur die Schere zwischen arm und reich. Und das ist wichtig zu verstehen.
Das Ganze ist ein Trend, ein Wandel, der sich immer mehr beschleunigt. Unsere Gesellschaft spaltet sich zunehmend. Leider ist dieser Wandel anders als beim Klima noch gar nicht wirklich begriffen worden. Das zeigt zum Beispiel die Berichterstattung deutlich. So wurde bei der Landtagswahl in Sachsen 2024 gerne betont, dass Städte wie Leipzig oder Dresden doch mittlerweile ein BIP-Niveau vergleichbar mit einigen westdeutschen Städten haben. Es läuft doch im Osten, warum meckern die Menschen?
Doch gerade das gestiegene BIP hat eben auch die Preise (bei allem was begehrt und begrenzt ist) deutlich steigen lassen. Die Gehälter der unteren 50% der Bevölkerung sind hingegen kaum oder gar nicht gestiegen. Daher ist es für die Hälfte der Bevölkerung eben gar kein Gewinn, sondern das genaue Gegenteil.
Es ist wichtig zu betonen, dass es viel mehr als die Schere zwischen arm und reich ist. Ich finde dieses Bild sogar etwas diskriminierend.
Der Ingenieur Thomas Clauß bei Siemens ist nun wirklich nicht arm. Doch wenn solche Menschen weiter zur Miete wohnen, weil reiche Erben die Wohnungspreise in Leipzig hochtreiben, dann ist es eine Frage der Gerechtigkeit.

Wie konnte es soweit kommen? Ein “Faktor“

Ein Problem, hat bereits der französiche Wirtschaftsforscher Thomas Piketty in seinem Bestseller “Das Kapital des 21 Jahrhunderts“ beschrieben:
„Einkünfte durch Arbeit werden deutlich höher belastet als Einkünfte durch Kapital.“ Das heißt also:
Wenn du Geld durch Arbeit verdienst, musst du deutlich mehr Abgaben und Steuern zahlen, als bei Einkommen das ohne Arbeit entsteht.
Geld ohne Arbeit?  – Das ist Geld, welches durch Vermögen (Kapital) entsteht; man könnte es auch als “leistungsfreies Einkommen“ bezeichnen, da es das in den meisten Fällen auch ist. Das sind Erbschaften, Aktiengewinne, Zinserträge, andere Finanzerträge, Mieteinnahmen. Es können aber auch Unternehmensgewinne oder dem entsprechendes sein. Natürlich gibt es noch weitere „leistungsfreie Einkommen“ wie z.B. das Bürgergeld, Kindergeld, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss des Jugendamts, Renten. Die werden aber zunächst außen vorgelassen, weil es in der Regel notwendige Sozialleistungen sind (oft sind sie auch nicht notwendig). Beim konkreten Beispiel von oben heißt das: Der Siemens Ingenieur Thomas Clauß muss ca. 49 % des Geldes, das er erwirtschaftet, abgeben. Die Mieteinnahmen des Hamburger Erben, der z.B. die Wohnungen in Leipzig kauft, könnten mit nur 15% Körperschaftsteuer belastet werden.
(ja, das geht in einer vermögensverwaltenden GmbH) Es sollte genau andersherum sein, mindestens. Hier eine Tabelle aus dem Jahr 2020 der Abgaben und Steuern durch Arbeit: Deutschland liegt ganz oben auf Platz 2.

Wir haben das Prinzip der Leistungsgesellschaft auf den Kopf gestellt. Geld welches durch Arbeit erwirtschaftet wird mit 49% belastet.

Das dramatische dabei: Das leistungslose Einkommen steigt immer weiter, und das sogar kräftig, aus drei Gründen:

1. Es wird im Durchschnitt mit ca. 25% belastet, also nur die Hälfte dessen, was wir durch Arbeit abgeben müssen

2. Durch die zunehmende Technisierung (KI) steigt auch die Wertschöpfung, und damit das leistungsfreie Einkommen

3. Durch das Vererben wird es dann weitergegeben – leistungsfrei.

Zusätzlich steigt der Wert von Immobilien, Grund und Boden durch den “Begrenzt- und Begehrt- Effekt“, so dass das Geld dort bleibt wo es ist.

Steuern auf “leistungsloses“ Einkommen:

  • Kapitalertragsteuer 26,38% (inclusive Solidaritätszuschlag)
  • Erbschaftsteuer 2% im Durchschnitt
  • Vermögensteuer 0%
  • Körperschaftsteuer 15% (ab 2026 wird sie nach und nach auf 10% gesenkt)
  • Unter bestimmt Bedingungen können sogar Unternehmen eine Form von leistungslosen Einkommen generieren:
    Unternehmensteuer 29,93 % ab 2026 sinkt es bis auf 24,93%“

Steuern und Abgaben auf Arbeit:

  • 42% bis 49 %

Allein diese Zahlen machen deutlich: Das ist keine Leistungsgesellschaft mehr. Und es wird immer schlimmer, denn die KI (Künstliche Intelligenz) wird ein riesengroßer Faktor werden, und damit ein Wertschöpfungsbooster für mehr “leistungsfreies“ Einkommen. Unternehmen werden Rekordgewinne einfahren, die Wirtschaft wächst, und damit das Kapital und die Erbschaften. Davon profitiert aber gerade mal die Hälfte der Bevölkerung und die oberen 15% mit Abstand am meisten. Das heißt konkret: die Preise für alles, was begehrt und begrenzt ist, steigen weiter. Die Menschen ohne finanziellen Background werden immer unzufriedener, da sie zunehmend ausgegrenzt werden.

Vor allem wird unser Leistungsprinzip auf den Kopf gestellt. Egal ob im Handwerk, der Pflege, Dienstleister oder Arbeiter. Dir wird immer fast die Hälfte abgenommen, während Kapitalerträge gering besteuert werden. Aber wieso wird das Geld, welches durch Arbeit erwirtschaftet wird, mit fast 50% belastetet? 

Es ist vor allem die Sozialversicherung, das sind Krankenkasse, Rente- und Pflegeversicherung und ein kleiner Teil Arbeitslosen- und Unfallversicherung. (siehe Grafik oben) Der Teil, den der Arbeitgeber finanziert, taucht allerdings auf dem Lohnzettel nicht auf. Der Teil muss aber natürlich auch erwirtschaftet werden und ist daher genauso anzurechnen.

Beispiel Mindestlohn:

Der Mindestlohn ist deswegen so gut geeignet, da er zwangsläufig den untersten Einkommensbereich zeigt. Er sollte eigentlich auf 15 € steigen, das hat die jetzige Koalition aber abgelehnt – aus gutem Grund (und das meine ich ehrlich).
Stattdessen 13,90 € ab 2026. Selbst dieser eher niedrige Mindestlohn bereitet tausenden Kleinunternehmern große Sorgen. Warum? Ist der Mindestlohn zu hoch? Ein klares Nein. Denn der Nettolohn bei einer 40 Stunden Woche ergibt bei 13,90 € lediglich 9,89 €. Nicht einmal 10 Euro bekommt man am Ende raus.

Würde der Mindestlohn auf die geforderten 15 € steigen, wären es am Ende gerade mal 10,42 € Netto. Also gut 50 Cent mehr.
https://www.brutto-netto-rechner.info/gehalt/gehaltsrechner-arbeitgeber.php

Hier stimmt doch was nicht, hier stimmt was Grundlegendes nicht.

Das Problem beim Mindestlohn und überhaupt beim Gehalt ist, wie gesagt, die Sozialversicherung, die auch als “Abgaben“ bezeichnet werden. Nicht nur für die Arbeitnehmer, sondern auch für die Arbeitgeber:

Brutto ist gar nicht Brutto

Stell dir einfach vor, du betreibst ein Café und stellst einen Studenten für den Mindestlohn von 15 € brutto ein. Dann musst du diesem Studenten tatsächlich 18,14 € pro Stunde zahlen
Die 15 € brutto sind einfach falsch, denn diese 15 € werden niemals gezahlt. In Wirklichkeit kommt noch ein ganzer Batzen dazu, nämlich 3,14 € pro Stunde also zusammen 18,14 €. Wieso? Die 3,14 € sind der Sozialversicherungsbeitrag des Arbeitgebers. Dieser Teil erscheint nicht auf dem Lohnzettel, trotzdem muss er gezahlt werden. 15 € Mindestlohn ist also in Wirklichkeit gute 18 €, alles andere ist eine Täuschung. Es ist ein wenig so, als ob im Supermarkt keine Mehrwert-steuer ausgewiesen ist und erst an der Kasse auf einmal alles 19% teurer wird. Auch das wäre eine Täuschung, oder?

Zusammengefasst. Der tatsächliche Mindestlohn bei den offiziellen 15 € brutto liegt für den Arbeitgeber bei 18,14 €, ich nenne das: “brutto-brutto“.
Der Arbeitgeber zahlt 18,14 €/Stunde und der Arbeitnehmer erhält 10, 42 €, es gehen also 7,72 € weg das sind 42,56 %

Kann das wirklich sein? Ja, es gibt im Netz verschiedene Brutto-Netto-Rechner für Arbeitgeber. Das ist wichtig. Für Arbeitgeber, denn sonst ist wie gesagt der Sozialversicherungsanteil des Arbeitgebers nicht enthalten:

https://www.steuertipps.de/service/rechner/brutto-netto-gehaltsrechner-arbeitgeber

Hier ist es für eine 40 Stunden Woche beim Mindestlohn von 15 € in einem Online-Rechner dargestellt:

https://www.brutto-netto-rechner.info/gehalt/gehaltsrechner-arbeitgeber.php

Du musst also als Café-Betreiber für eine volle Stelle pro Mindestlohn-Angestellten ganze 1334,16 € im Monaterwirtschaften, die einfach weg sind. 1334,16 € jeden Monat weg, pro Mindestlohn-Stelle bei 15 € “brutto”. Davon sind 231,56 € Lohnsteuer und 1102,6 € Sozialversicherung.
Wir wundern uns über hohe Preise in einem Café oder Restaurant? Ein Bürgergeldempfänger bekommt im Durchschnitt 563 € Regelsatz + 543 € Miete = 1006 € Der Staat nimmt also der untersten Lohngruppe mehr weg, als ein Bürgergeldempfänger bekommt. Das macht keinen Sinn.

Nebenbei: Ich bin kein großer Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens. Doch bevor man über so etwas nachdenkt, müssen wir erstmal aufhören der untersten Lohngruppe mehr als 1000 € im Monat wegzunehmen. Wer bitte kann da widersprechen?

Die hohen Abgaben bedrohen unsere Wirtschaft

Wir haben in Deutschland Millionen Kleinselbstständige. Ein großer Teil davon betreibt Cafés, Kneipen, Blumenläden, Kioske, Restaurants oder Dönerbuden etc. Diese bunte Mischung kleiner Läden machen unsere Städte erst interessant und lebenswert. Wir alle nutzen sie mehr oder weniger. Diese Läden sind ohnehin schon gebeutelt durch überbordende Bürokratie, hohe Mieten oder Kosten wie GEZ und Gema, Industrie u. Handelskammer-Abgaben, Energie, Versicherungen oder Eintrag ins Transparenzregister etc. Das Durchschnittsgehalt solcher Kleinselbstständiger überschreitet netto nur selten die 10 € pro Stunde, oftmals liegt es grade mal bei 8 € die Stunde oder sogar darunter. Es kümmert niemanden, egal welche Partei. Mittlerweile müssen viele aufgeben. Das ist ein Grund, warum es heute schon einen finanziellen Background braucht, wenn man eine kleine Mode Boutique, Café oder Yoga Studio betreiben möchte.
Viel Stress für wenig Geld: Selbstständig in Deutschland | ZDF.reportage

https://www.youtube.com/watch?v=nNJdpshGjsM:

Wenn diese Selbstständigen jetzt noch gute 18 € die Stunde für ungelernte einfache Aushilfen zahlen müssen, ist es endgültig vorbei.
Es geht eigentlich nur noch mit Schwarzarbeit oder anderen Tricksereien. Ein Durchschnitts-Café muss 20.000 Euro Umsatz im Monat machen (grob geschätzt) und der Besitzer hat bis dahin noch keinen Cent verdient. (Beim oben genannten Yoga Studio ist natürlich ganz ähnlich) Aber auch viele andere, wie Landwirte, die Gemüse, Beeren, Obst, Wein etc. anbauen und damit auf viele Arbeitskräfte angewiesen sind, stehen vor dem Aus. 18 € ist viel zu viel, um mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten zu können. (in Rumänien beträgt der Mindestlohn 4,43 €) Warum sind z.B. Produkte wie Spargel oder Erdbeeren aus Deutschland so teuer geworden? Bei einem Mindestlohn von 15 € (also in Wirklichkeit 18 €) wäre damit Schluss, kein Spargel, Erdbeeren und Wein aus Deutschland. Das allein zeigt schon: Das System stimmt nicht. Dieses grundlegende Problem gilt natürlich nicht nur für den Mindestlohn, sondern ganz allgemein für die Arbeit, die von Menschen gemacht wird. Denn der arbeitende Mensch ist im Vergleich mit der Technik klar benachteiligt. Der Teil unserer Wirtschaft, der auf viele Arbeitskräfte angewiesen ist, hat einen klaren Nachteil gegenüber den Wirtschaftsbereichen die höher technisiert sind. Im Handwerk ist es besonders dramatisch, da hier der Faktor Mensch die Hauptrolle spielt. Das ist unmenschlich im wahrsten Sinne des Wortes. Maschinen zahlen eben nicht ein in unsere Sozialversicherung, auch die KI nicht. Und der Teil der Wertschöpfung, die von der Technik betrieben wird, steigt und steigt. Das ist grundsätzlich ja nicht schlecht, im Gegenteil. Wenn aber das Geld, welches durch Technik verdient wird nur durchschnittlich 25% Abgaben hat und der Teil der Wertschöpfung durch die Technik immer weiter zunimmt, ist das ein zentrales Problem. Wenn die KI sich in naher Zukunft ausbreiten wird, und das sieht ganz danach aus, sehe ich unser System extrem bedroht.

Hier eine Grafik vom DIW Berlin, die zeigt: Schon 2017 waren die leistungsfreien Einnahmen (rot) bei den Superreichen das Haupteinkommen, heute ist es noch deutlich krasser. Der blaue Bereich ist das Arbeitnehmerentgelt, also Gehälter und Löhne. Dazu zählen natürlich auch die Millionen Gehälter der Vorstands-Vorsitzenden großer Firmen. Und dennoch ist der rote Bereich, also Einkommen aus Gewinn und Unternehmen, Kapital, oder Erbschaften um ein Vielfaches größer. Und er wird wie gesagt weiter steigen. (Denn die KI ist ein Wertschöpfung-Booster) Die obenstehende Abbildung zeigt aber nicht, was Dr. Martyna Linartas aus Berlin beschrieben hat: „75% des Vermögens von Milliardären stammt von Erbschaften und Schenkungen“
Und das wird zwangsläufig immer mehr.

(Außerdem: In der Grafik fehlt sogar ein großer Teil: Ein Riesen Batzen ist nicht enthalten. Warum? Weil bei einer vermögensverwaltenden GmbH eben kein Gewinn ausgeschüttet wird und damit kein Einkommen entsteht. Der Reichtum also das Vermögen wird zwar rasant größer, aber alles ohne offizielles Einkommen. In der Grafik wird aber nur das Einkommen gezeigt.)

Man kann dieses System nur als dekadent und absurd bezeichnen. Wer hat, dem wird gegeben – ohne Arbeit. Leistungsfreies Einkommen wird gering besteuert, wer arbeitet, hingegen muss fast die Hälfte abgeben. Es ist das zentrale Grundproblem unserer Zeit und der Grund warum so viele Menschen unzufrieden mit der etablierten Politik sind:
Heute beträgt das mediane Durchschnittseinkommen 2700 € netto bei der Lohnsteuerklasse 1 (unverheiratet, verheiratet sein bringt nur dann einen Vorteil, wenn die Gehälter weit auseinander liegen) in Deutschland. Dabei erwirtschaftet genau dieser Durchschnittsverdiener ganze 5240,76 € brutto-brutto im Monat.  

Wer es nicht glaubt gibt es in diesen Brutto-Netto-Rechner ein.

https://www.brutto-netto-rechner.info/gehalt/gehaltsrechner-arbeitgeber.php

Würde der Normalverdiener wie bei Kapitalerträgen nur 25% insgesamt an Abgaben leisten, hätte er 3930 € im Monat.

Fast 4000 € gegenüber 2700 € – das ist der entscheidende Unterschied.

Denn 2700 € netto reichen nicht wirklich für Wohnungseigentum. Nicht zuletzt wegen der rasant gestiegenen Mieten, sodass eben kaum gespart werden kann. Es braucht zusätzlich eine Erbschaft, einen wohlhabenden Partner oder Glück auf dem Aktienmarkt etc. Eine Demokratie kann so nicht langfristig bestehen.

Wie lösen wir das Problem? Die Abgaben für die Sozialversicherung sind das entscheidende Problem.

Die Sozialversicherung

Kranken- Pflege- und Rentenversicherung, das sind grundlegende Menschenrechte und sollten daher auch nicht in Frage gestellt werden. Das tut auch keine Partei in Deutschland. Als 1883 die Sozialversicherung in Deutschland eingeführt wurde, konnte sie nur von den arbeitenden Menschen finanziert werden. Warum? In früheren Zeiten war der Mensch der Hauptfaktor für die Wertschöpfung, da die menschliche Arbeitskraft im Mittelpunkt stand. 1883 war die Technisierung noch auf einen ganz anderen Level, das Wirtschaftswachstum wurde daher von Menschen erarbeitet. Mit der Zeit stieg der Teil der Technik kontinuierlich an und damit das Wirtschaftswachstum. Heute ist die Technik für ca. 90% der Wertschöpfung verantwortlich, das lässt sich relativ einfach ausrechnen, ich habe es gemacht. (wer das genau wissen möchte kann sich gerne bei mir melden) Und dieser Trend wird sich wie gesagt durch die KI nochmal drastisch steigern. Damit wird unser Bruttoinlandsprodukt wachsen, das Geld und der Wohlstand auch – aber eben alles andere als gleichmäßig.

Die Welt hat sich grundlegend geändert, die Sozialversicherung wird aber immer noch (fast) allein von der arbeitenden Bevölkerung bezahlt.

Die arbeitende Bevölkerung finanziert die Sozialversicherung

Es sind ca. 35 Millionen Menschen in Deutschland, die in die Sozialversicherungskasse einzahlen. Gerade mal 42% der Bevölkerung, dabei sind 88% der Bevölkerung versichert. Wer arbeitet, finanziert also nicht nur seine eigene Sozialversicherung, sondern nochmal von einem weiteren Menschen.

Kinder, Familienversicherte, Kranke, Rentner, Arbeitslose und Bürgergeld-empfänger: Sie alle zahlen nicht ein, sind aber dabei (auch nicht die Rentner, denn ihre Abgaben sind einfach nur eine Rentenkürzung, da das Geld nicht erwirtschaftet wird). Die oberen 12% in Deutschland sind so wohlhabend, dass sie sich aus dem System verabschiedet haben und privat versichert sind.

Daher liegt heute der Beitragssatz der Sozialversicherung im Durchschnitt bei 41,90 % vom Gehalt, Tendenz steigend. Das war früher mal ganz anders:

In den 50er fing es mit 20% an, in den 70er stieg er auf 27% in den 80er auf 29 %, heute 41,9% Tendenz steigend.

https://www.diw.de/de/diw_01.c.847622.de/seit_den_1050er_jahre_sozialabgabenquote_nahezu_verdoppelt.html

Die Sätze haben sich also fast verdoppelt. Das liegt daran, dass die Kosten für die Sozialversicherung förmlich explodiert sind, sie sind mittlerweile fast so hoch wie die gesamten Steuereinnahmen in Deutschland. (nebenbei: da sehe ich akuten Handlungsbedarf, auch wenn dann laut protestiert wird – Vorbild Japan)

2024 kostete die Sozialversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber 874,6 Mrd. Euro. Alle Steuereinnahmen zusammen betrugen im Jahr 2024 ingesamt 947,7 Milliarden Euro. (Mittlerweile werden auch Steuergelder in die Sozialversicherung gezahlt, vor allem bei der Rente, aber auch beim Bürgergeld)

Sozialversicherung wird nur von 42% der Bevölkerung gezahlt

Steuern zahlen alle – wirklich alle

Steuern sind überall. Mir war das gar nicht so bewusst, bis ich mich damit beschäftige. Über die Hälfte vom Benzinpreis: Steuern.

Ohne Steuern würde ein Liter Benzin statt 1,80 € nur noch 75 Cent kosten – krass. Strom, Gas, Alkohol, Nikotin, Hunde, überall Steuern.

Und dann gibt es ja auch noch die Mehrwertsteuer, die auf alles was wir kaufen gezahlt werden muss. Aber doch nicht auf die Miete? Doch, da heißt es dann Grundsteuer, die jeder Mieter über die Nebenkosten zahlt.
Steuern zahlen wir alle. Wirklich alle – sogar Kinder. Es gibt nämlich erstaunlich viele feste Steuern, ich nenne sie “Lebenssteuern“ (offiziell indirekte Steuern), da jeder sie zahlen muss. Das sind praktisch alle Steuerarten außer Einkommens- und Unternehmersteuern. Das sind Verbrauchsteuern, Mehrwertsteuer, Energiesteuer, CO2 Steuer, Tabaksteuer usw.; sie machen mittlerweile gut die Hälfte des gesamten Steueraufkommens aus. Daher zahlt eben auch ein Bürgergeldempfänger am Ende ca. 35% Steuern auf sein Bürgergeld, ein starker Raucher sogar deutlich mehr. Steuern zahlen wir also wirklich alle. Die Beiträge zur Sozialversicherung hingegen zahlen nur die besagten 42% der Bevölkerung und das sind unsere Leistungsträger. Und wenn sich nun viele fragen: Wieso konnte sich in den 80er jeder aus der Mittelschicht ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen, und heute nicht mehr? Dann hier die ganze Antwort:

3 Faktoren machen Immobilien und Hausbau so teuer:

1.   Stark gestiegene Sozialversicherung

2.   Gestiegene Mehrwertsteuer

3.   Das Geld der Reichen hat die Bodenpreise/Immobilienpreise explodieren lassen (Begehrt-und-Begrenzt-Effekt)

Die Eigenheime und Wohnungen sind so teuer wegen der Sozialversicherung? Ja, das Handwerk ist eben auch so teuer wegen der Sozialversicherung. Und um ein Haus zu bauen, braucht es reichlich Handwerker. Hausbau (Wohnungsbau) ist eben immer noch hauptsächlich Handarbeit – ca. 6.000 Stunden Arbeit stecken in einem Einfamilienhaus. Pro Arbeitsstunde werden ca. 11 € für die Sozialversicherung fällig. Das wären also 66.000 € Dazu noch ca.5 € Lohnsteuer pro Stunde. Wären also zusammen: 96.000 € an den Staat. Dann kommt noch die Mehrwertsteuer auf Material und Handwerksrechnungen: Bei einem Haus im Wert von 500.000 € wären das ca. 95.000 €. Dann noch Baugebühren, Bürokratie, Stromsteuer, zusammen auch noch ca.5000 €. Alles in allem also 196.000 € an den Staat für ein Einfamilienhaus. Das sind fast 40% an Steuern und Abgaben! Wahnsinn.

Dazu kommen dann noch die explodierenden Bodenpreise, wie ich oben beschrieben habe. Das ist also der wahre Grund, warum man sich heute ohne finanziellen Background kein Einfamilienhaus mehr leisten kann.

Sozialversicherung 2.0 – zurück zur Leistungsgesellschaft

Wir müssen das System komplett umstellen. Geld, das durch Arbeit erwirtschaftet wird gering belasten und Geld, das ohne Leistung erwirtschaftet wird hoch belasten. Dazu braucht es einen wichtigen grundlegenden Schritt: Die Sozialversicherung muss komplett von der Arbeit entkoppelt werden. Das klingt nach einer radikalen Forderung, denn dann würde nur noch die Lohnsteuer auf das Gehalt anfallen. Aber genau das macht in einer technisierten Welt Sinn. Denn es ist die Technik, die heute den größten Teil der Wertschöpfung erwirtschaftet.
Also nur noch Lohnsteuer und sonst gar nichts (in Dänemark ist das bereits schon so).

Freibetrag für Arbeit:

Bis zu einem Gehalt von 2000 € sollte gar keine Lohnsteuer einbehalten werden. Das wäre der Freibetrag. Denn das ist wirklich das Minimum für eine Vollzeitstelle und entspräche ca. 12 € Mindestlohn brutto = netto (Wie oben beschrieben, sind es heute nicht mal 10 €). Eine Revolution und wir hätten die Leistungsgesellschaft zurück (und damit viel gerechter als das bedingungslose Grundeinkommen).

Arbeit lohnt sich wieder und die Wirtschaft würde in allen arbeitsintensiven Bereichen einen Aufschwung erfahren, da die Lohnkosten dramatisch reduziert wären. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Wegfall der Schwarzarbeit, die sogenannte Schattenwirtschaft. Sie beträgt geschätzt etwa 10% bis 15% der gesamten Volkswirtschaft. Das ist kein Pappenstiel. Aber warum fällt die Schwarzarbeit dann weg? Da sie fast ausschließlich im unteren Lohnbereich bis 2000 € Netto/Monat vorkommt. Zigtausende Kneipen, Restaurants, Cafe´s, Blumenläden, Frisörsalons etc. würden aufatmen. Allein der bürokratische Aufwand jemanden einzustellen ist heute absurd hoch und teuer. Wer mehr als 2000 € im Monat verdient, zahlt dann Lohnsteuer, die moderat bei 5% anfangen sollte.
Ist das wirklich vorstellbar? Wer würden dann denn in die Sozialversicherung einzahlen? Kranken- Pflege- und Rentensysteme sollen natürlich erhalten bleiben. Ganz einfach: Es wird komplett über Steuern finanziert. Das ist durchaus realistisch, da die Sozialversicherung bislang ja schon finanziert wird, aber eben nur von 42% der Bevölkerung, unseren Leistungsträgern.

Das bedeutet: Keine Extraausgaben, wie sie zum Beispiel beim bedingungslosen Grundeinkommen entstehen oder bei einer krassen Aufrüstung. Nein, es reicht eine Umverteilung aus – der Staatshaushalt bleibt grundsätzlich gleich.

Wir müssen lediglich das System umstellen und zwar mit nur einem Ziel:

Wettbewerb muss wieder gerecht und ausgleichend werden. Die Arbeit wird entlastet und die Technik belastet. Denn schon heute wird ca. 90% unsere Wertschöpfung durch die Technik erwirtschaftet, (was sich einfach ausrechen lässt- da habe ich einen Extra Artikel geschrieben)

Ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft

Ich bin überzeugt, dass wir die Demokratie mit den vollen Menschenrechten nur im System der Marktwirtschaft verwirklichen können.  (dafür gibt es viele gute Gründe)
Es muss aber eine geregelte Marktwirtschaft sein – oder übersetzt: Soziale Marktwirtschaft. Die ist uns in den letzten 75 Jahren nach und nach abhanden -gekommen.

Was bedeutet eigentlich Soziale Marktwirtschaft?

Das ist Wettbewerb, aber mit Spielregeln, so dass es fair bleibt.
Man könnte auch sagen: „Geregelter Kapitalismus“.

Die Soziale Marktwirtschaft hat drei Kernmerkmale:

  1. Wettbewerb:
    Es gilt der freie Markt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wer mehr leistet, ein hohes Risiko eingeht, soll auch mehr verdienen. Das funktioniert nur mit Eigentum. Daher wird Eigentum geschützt und eine gewisse Ungleichheit gehört zwangsläufig dazu., die entsteht aber durch Leistung. Außerdem: Nur soviel Staat wie nötig.

2.   Gerecht:
Jeder soll die gleichen Aufstiegschancen haben, unabhängig von der finanziellen Situation. Leistung muss ich lohnen.
Der Staat verhindert Monopole, es muss fair bleiben. Eigentum heißt auch Verantwortung.

3.   Ausgleichend:
Der freie Markt führt zwar zu Ungleichheit, die darf aber nicht immer weiter zunehmen. Die Gesellschaft muss zusammenbleiben.
Soziale Sicherungssysteme sind selbstverständlich.

Alle 3 Punkte gelten heute nicht mehr wirklich:

1.   Wir haben keinen fairen Wettbewerb mehr, da Menschen mit Vermögen ganz andere Möglichkeiten haben als Menschen ohne Vermögen. Zudem gibt es einige Beinahe-Monopole
und der Staatsapparat ist zu aufgebläht. Weniger Staat macht Sinn, aber nur wenn man es richtig macht, ohne Privatisierung (Dänemark)

2.   Es ist ungerecht, dass Arbeit höher belastet wird als leistungsfreies Einkommen. Heute ist der Zufall eher entscheidend. Habe ich geerbt, einen reichen Partner, Familie oder schlicht großes Glück gehabt?
Außerdem: Menschen, die in armen Familien geboren werden, haben deutlich geringere Chancen auf einen sozialen Aufstieg. Sie gehen in andere Kindergärten und Schulen, sie haben ein anderes Netzwerk, studieren nur selten. Das ist nicht gerecht.

      Der Fachbegriff dafür ist die „Soziale Mobilität“ und die nimmt ab.

https://www.iwh-halle.de/publikationen/detail/niedrige-soziale-mobilitaet-in-deutschland-wo-liegen-die-ursachen

3.   Die Ungleichheit nimmt immer weiter zu.
Was das Vermögen betrifft, sind wir eines der ungleichsten Länder der Welt – Tendenz steigend. Beim Einkommen ist es in Deutschland dank des Mindestlohns noch nicht ganz so krass

Die Basis der sozialen Marktwirtschaft sind gerechte Steuern und Abgaben. Denn gerecht und ausgleichend geht es nur, wenn die Steuern die Gesellschaft so “steuern“, dass sie nicht auseinanderdriftet. Damit das funktioniert, müssen Steuern progressiv sein, also ansteigend. Wer wenig hat, zahlt wenig Steuern und die ganz Reichen dann entsprechend mehr. Uns wird immer suggeriert, das sei bereits der Fall. Doch das ist im Grunde eine dreiste Lüge. Denn: In unserm Steuersystem gibt es nur eine einzige Form die progressiv also ansteigend ist: Die Einkommensteuer. Sie macht aber nur einen geringen Teil des Gesamtaufkommens aus. (o.k. bei den Sozialbeiträgen zahlen die unteren 20% auch weniger, fällt aber kaum ins Gewicht) Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) hat dazu eine Grafik angefertigt: (die ist leider schon 10 Jahre alt)

https://www.diw.de/de/diw_01.c.412410.de/kalte_progression.html

Nur der orange Bereich bezieht sich auf die Einkommensteuer. Und da ist sogar noch die Unternehmensteuer drin (leider). Die reine Einkommensteuer ist in Wirklichkeit noch weniger. Diese Grafik zeigt dennoch eindrücklich unser ungerechtes System. Sie ist in 10%-Schritte eingeteilt, von den Ärmsten der Bevölkerung bis zu den Reichsten. Diese Grafik ist so gut, weil sie der Lebensrealität entspricht, denn am Ende zählt das, was netto auf dem Konto ist.

Diese Grafik offenbart zwei Überraschungen;

1.   Ausgerechnet die Ärmsten haben mit 35% erstaunlich hohe Steuern

2.   Ab 85% der Bevölkerung steigen die Steuern und Abgaben nicht mehr, sie fallen. Also ausgerechnet die reichsten 15% zahlen weniger. Genau da, wo sich enorm viel Geld befindet, eben bei den oberen 15%, genau da geht die Steuer runter. Und wer genau hinsieht stellt fest, bei den obersten 3% geht sie nochmal runter.

(Die Grafik müsste bei den oberen 15% in die Länge gezogen werden, denn dann wird offenbar, dass am Ende nur noch ca, 25% Steuern gezahlt werden, also deutlich weniger als die ärmsten Menschen der Bevölkerung.)

3.   Ganz wichtig: Die Sozialbeiträge sind enorm, sie sind fast so hoch wie das gesamte Steueraufkommen und sie werden allein von 42% der Bevölkerung getragen

Zu 1: Warum zahlen die Armen mehr “Lebenssteuern“ also z.B. Verbrauchsteuern? Ganz einfach: Sie geben ihr gesamtes Geld jeden Monat komplett aus, weil sie es müssen. Daher zahlen sie zwangsläufig auf ihr gesamtes Geld die “Lebenssteuern“. Daher nehmen auch die “Lebenssteuern“ mit zunehmendem Einkommen ab – da ein immer größerer Teil des Geldes nicht zum Leben gebraucht wird. Das Perfide dabei: Das Geld wird eben gerne in Immobilien angelegt und das ist für die Wohlhabenden komplett ohne Verbrauchsteuern. Die zahlen nämlich ihre Mieter in Form der Grundsteuer über die Nebenkosten.

Nebenbei: Eine Vermögensteuer von 1% würde praktisch nicht auffallen, wäre sie in die Grafik aufgenommen. Damit erreichen wir noch lange keine Steuergerechtigkeit, es wäre nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Daher fordert Die Linke auch einen ansteigenden Satz der Vermögensteuer bis zu 12 Prozent. Grundsätzlich ist das zu begrüßen, damit haben wir aber die Leistungsgesellschaft nicht zurück und damit das grundlegende Problem nicht gelöst.

Zurück zur Sozialversicherung 2.0:

Wie oben bereits beschrieben sollte die Sozialversicherung komplett von der Arbeit entkoppelt werden, und dann über Steuern finanziert. Das bedeutet das damit Arbeit sehr deutlich entlastet werden kann. Damit würden wir das grundlegende Problem lösen: Leistung lohnt sich wieder. Wir drehen das System um, indem wir das komplette Steuersystem progressiv machen.

Und es muss möglichst einfach sein – damit es keine Trickserei gibt.

Die Steuerrevolution

Unser Steuersystem ist sehr unübersichtlich. Es ist mit der Zeit immer komplizierter geworden. Daher können die Wohlhabenden durch geschicktes Manövrieren der Steuergesetze massiv Steuern sparen. Je komplexer ein Steuersystem, desto mehr lässt sich machen, logisch. Daher muss ein neues Steuersystem so einfach wie möglich sein und damit Trickserei ausschließen.

Wenn wir nun unterscheiden zwischen
A. Einkommen durch Arbeit und
B. Einkommen durch Kapital, wäre das schon zu komplex.

Denn: Einkommen durch Kapital würde dann sofort als Einkommen aus Arbeit getarnt. Wenn ich z.B. sehr hohe Mieteinamen habe oder Kapitalerträge auf dem Aktienmarkt gründe ich eine GmbH. Ich stelle mich selbst als Gesellschafter ein, mit einem entsprechen hohen Gehalt. Und zack, bin ich Angestellter meiner eigenen Firma und das Geld wäre dann offiziell mein Arbeitseinkommen.
Der kleine Vermieter, der nur eine Wohnung vermietet, kann das nicht.
Es wäre dann wieder ungerecht. Zudem sollen eben auch die Menschen ohne Vermögen in Zukunft welches aufbauen können nach dem Leistungsprinzip. Wenn wir nun z.B die Kapitalertragsteuer hoch setzen, wäre das für Menschen, die erst anfangen Vermögen aufzubauen schlecht, da der Gewinn von den Steuern geschluckt würde. Wie lösen wir das Problem?

In einer hochtechnisierten Welt machen feste Steuersätze keinen Sinn mehr

Wie gesagt ist es die Technik, die heute ca.90 % der Wertschöpfung betreibt und das wird sich vor allem durch die KI noch dramatisch steigern. Daher muss das Steuersystem entsprechend angepasst werden. Die Steuern müssen progressiv also ansteigend sein – zum Beispiel von 5% bis 95%, so dass es gerecht wird, und das stufenlos. Ich habe lange nachgedacht und glaube, dass es tatsächlich möglich ist mit nur 4 Steuerarten ein perfektes System zu schaffen:

Das wären

  1. Einkommensteuer
  2. Vermögensteuer
  3. Erbschaftsteuer
  4. Sinnvolle Verbrauchssteuern

Der Clou dabei: Dadurch, dass die ersten beiden Steuerklassen progressiv sind ist es automatisch gerecht. Sie fangen bei 5% an und steigen stufenlos also in 1% Schritten dann so hoch wie nötig.

  1. Einkommensteuer

Alle Einkommen, egal woher werden progressiv versteuert.

Der Unterschied ist nur: Geld welches durch Arbeit erwirtschaftet wird bekommt einen Freibetrag, der bei 2000 € im Monat liegen sollte, also 24.000 € im Jahr. Geld durch Kapitalerträge (Mieteinnahmen, Zinsen, Aktiengewinne) haben keinen Freibetrag mehr. Der Kleinsparer zahlt nur 5% der Überreiche 95%.

Dann haben wir wieder Wettbewerb in gerecht und ausgleichend, also die soziale Marktwirtschaft zurück. Natürlich darf es keine vermögensverwaltende GmbH mehr geben und überhaupt gibt es dann keine Steuervergünstigungen mehr in irgendeiner Weise, abgesehen natürlich von Abschreibungen für Unternehmen. Die Wirtschaft als solches darf natürlich nicht beeinträchtigt werden. Denn Wirtschaftswachstum muss nach wie vor gewährleistet und sogar gefördert werden.

  • Vermögensteuer (Erbschaftsteuer)

Hier wird es etwas komplizierter, denn so wie es derzeit gehandhabt wird, schaden wir der Wirtschaft. Und doch gibt es eine perfekte Lösung, die sogar für die Wirtschaft mehr Wachstum bedeutet. Dazu haben ich einen Extra Artikel verfasst. (Vorbild Dänemark) Grundsätzlich muss ein Steuersystem immer so aufgebaut sein, dass niemand in Schwierigkeiten gerät und das geht auch.

Damit die besitzlose Hälfte und Mittelschichtler auch Vermögen aufbauen können, muss es hier einen Freibetrag geben. Der könnte zum Beispiel bei 500.000 € liegen. Selbstverständlich müssen in einer technisierten Welt alle Steuern progressiv sein, also bei 5% beginnen und dann so hoch wie nötig.

Verbrauchsteuern sollten verschwinden, da sie grundsätzlich ungeeignet sind, da jeder vom Kind bis zum Überreichen das gleiche zahlt.
Aber: Es gib sinnvolle Verbrauchsteuern wie zum Beispiel für Alkohol, Nikotin. CO2, Fleisch mit schlechter Tierwohl und Klimabilanz etc., aber auch Luxussteuern wie Zweitwohnungsteuer, oder Wohnungsleerstandsteuer sollten unbedingt eingeführt werden, und die gehen natürlich nur als feste Steuersätze.

Also 4 Steuerarten:

  1. Einkommensteuer
  2. Erbschaftsteuer
  3. Vermögensteuer
  4. Verbrauchsteuer die “steuern“.

Die schwarze Linie wäre für die Einkommensteuer. Die Vermögenssteuer bzw. Erbschaftsteuer wäre so ähnlich =>

Das Ganze erstmal nur grundsätzlich, die Details müssten noch erarbeitet werden – ich freue mich auf jede konstruktive Kritik.

Als feste Steuersätze nur noch sinnvolle Verbrauchsteuern.

Das wäre die ideale soziale Marktwirtschaft: Wettbewerb in gerecht und ausgleichend. Es ist einfach zu erkennen: 85% der Bevölkerung würden deutlich weniger zahlen. Und dort, wo wirklich viel Geld vorhanden ist, nämlich bei den oberen 15%, dort ist dann der Steuerertrag besonders ergiebig. So dass der Staat am Ende locker so viel Steuereinnahmen (und Abgabeneinahmen) hat wie bislang, sogar eher mehr. Es braucht ein wenig um es zu verstehen, denn automatisch zahlen alle die wenig Einkommen haben weniger Steuern und umgekehrt. Also auch Unternehmen. Aber auch Kapitalerträge, Zinsen, Mieten, eben alles wo Einkommen entsteht.

Der Clou dabei: Ein so simples Steuersystem macht die Steuerklärung entsprechend einfach und sicher. Zudem wäre es auch in der Wirtschaft deutlich gerechter: Da es auch keine feste Unternehmensteuer mehr gäbe. Wenn z.B. ein Startup nach vielen Jahren der Entbehrung und 80 Stunden Wochen endlich mal einen kleinen Gewinn einfährt, wären nur z.B. 5% Steuern zu zahlen, da der Gewinn eben klein ist. Ein anderes Unternehmen welches Rekordgewinne einfährt, zahlt sehr deutlich mehr. Auch ein Kleinsparer zahlt nur ein Bruchteil für seine Zinseinnahmen im Vergleich zu Superreichen, so einfach kann es sein.

Das Verrückte an der Sache: So ähnlich war es mal und zwar in den 50er Jahren. Wir holen uns die soziale Marktwirtschaft tatsächlich zurück.

Soziale Marktwirtschaft – es gab sie mal

Ich war selbst sehr erstaunt, als ich herausbekam wie unser Steuersystem in den 50er Jahren aussah. Der Spitzensteuersatz ging bis 95%. Das klingt so unglaublich, dass ich hier die offizielle Einkommens -Steuertabelle aus Deutschland zeigen muss:

Dies ist die offizielle Einkommensbesteuerung von 1952.

Und es war die CDU mit Konrad Adenauer und Ludwig Erhard die dieses Steuersystem eingeführt hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tarifgeschichte_der_Einkommensteuer_in_Deutschland

Es kommt meinem vorgeschlagenen Steuersystem erstaunlich nahe, denn damals waren die “Lebenssteuern“ wie Verbrauchssteuern deutlich geringer. Wir haben z.B. erst seit 1968 die Mehrwertsteuer, damals nur 10%.

Während heute die Einkommensteuern nur eine geringe Rolle beim Steueraufkommen spielt (siehe Grafik), war sie damals der Hauptfaktor. Und die ging von 10% in 5er Schritten bis 95%. Unfassbar ein Spitzensteuersatz von 95% (95% ist im übrigens nicht ganz so wild wie man zunächst denkt, denn das Einkommen durchläuft immer alle Steuerstufen, daher würde eine Million Einkommen, umgerechnet auf heute, nach der Tabelle von Adenauer knapp 75% Steuer bedeuten.)

Die Sozialversicherungsbeiträge gab es natürlich schon, aber auf einem ganz anderen Niveau, sie lagen nicht bei 42% wie heute, sondern bei ca. 20%. In den 50er Jahren spielten Kapitalerträge noch keine große Rolle. Ich konnte es nicht genau herausfinden, es wäre aber denkbar das Mieteinahmen, Aktiengewinne auch bis 95% besteuert werden konnten. Auch die Erbschaftsteuer war damals deutlich höher und als ob das alles noch nicht genug war, gab es sogar noch eine Vermögensteuer. Was also in Gottes Namen hat die CDU damals geritten?

Sozialer und gerechter geht es kaum. War das C im Namen für christlich damals noch von Bedeutung? Eher nicht. Diese Steuern finden wir damals praktisch überall auf der Welt in den demokratischen und kapitalistischen Ländern. Damals hatte die gesamte sogenannte “freie“ Welt Spitzensteuersätze von 90%, auch die USA, wirklich fast alle. Deutschland und Großbritannien sogar 95%. Die Beatles haben einen Song darüber geschrieben: „Taxmann“ aus dem Jahr 1966:

„Should five percent appear too small
Be thankful I don’t take it all
‚Cause I’m the taxman
Yeah, I’m the taxman”

Der Grund wie gesagt: Soziale Marktwirtschaft.

Die erste Regierungserklärung Adenauers bringt es auf den Punkt: „Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit ist das oberste Ziel der Politik.“  Wow. Sicher war auch der aufkommende Sozialismus (Kommunismus) der riesigen Sowjetunion ein Grund. Der kalte Krieg war eben vor allem ein Krieg der Systeme. Aus dem Grund wurde Westdeutschland trotz der unglaublichen Verbrechen der Nazis auch nicht bestraft (Ganz anders als beim ersten Weltkrieg).
Der “freie Westen“, allen voran die USA wollte dem riesigen Sowjet Reich zeigen: Unser System ist besser.  Und da ist ein geteiltes Land natürlich der ultimative Vergleich. West Deutschland sollte sich besser entwickeln als die DDR.
Damit das auch nachhaltig funktioniert, muss die Bevölkerung natürlich zufrieden sein, denn immerhin ist der “freie Westen“ schließlich demokratisch.
Damals konnte noch niemand vorhersehen, wohin die Reise geht und ob am Ende der Sozialismus sich doch am Ende durchsetzt. Daher besser auf Nummer sicher gehen. Die Steuern wurden so gesetzt, dass die Gesellschaft beieinanderbleibt. Und genauso war es praktisch überall auf der Welt.
So betrug der Spitzensteuersatz in den USA 90% und es waren sogar die Republikaner, die diesen Spitzensteuersatz festgelegt hatten. Diese 90% blieben bis zum Jahr 1964.

Hier ein Diagramm des Spitzensteuersatzes in den USA:

https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_(Vereinigte_Staaten)

Der Spitzensteuersatz begrenzt automatisch die Höhe der Unternehmens- und Kapitalertragsteuer. Denn beide zusammen sollen nicht höher als der Spitzensteuersatz sein. Ansonsten würde der Eigentümer eines Unternehmens bei der Auszahlung des Gewinns auf sein Konto mehr als den Spitzensteuersatz zahlen. Damals war die Idee, dass ein Unternehmer eben genau auch diesen Spitzensteuersatz zu zahlen hat. Daher ging die Unternehmens- und Kapitalertragsteuer zusammen auch bis 90%. Welche Folgen hatten diese aus heutiger Sicht unglaublich hohen Spitzensteuersätze der 50er, 60er und 70er Jahre für die Wirtschaft?
Es waren die Wirtschaftswunderjahre.
Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Auch in den USA, es lief wie geschmiert. Der amerikanische Traum, es gab ihn wirklich mal. Das waren die 50er ,60er und 70er Jahre und der Beweis: Soziale Marktwirtschaft funktioniert. Kapitalismus ist eine gute Sache, wenn er geregelt ist.

Doch dann setzte der sogenannte Neoliberalismus ein.

Der Siegeszug des Neoliberalismus

Wie gesagt ging der Spitzensteuersatz in Amerika von 90% noch bis ins Jahr 1964. Dann wurde er auf 70% gesenkt, immer noch relativ hoch. Doch dann kam Ronald Reagan. Er wurde 1980 zum Präsidenten der USA gewählt, damals befand sich die USA in einer milden Rezession (- 0,2%) Die Angst vor einer schwächelnden Wirtschaft nutzte Ronald Reagan mit dem Spruch. „Make Amerika great again“. Das hat mich überrascht, der Spruch stammt gar nicht von Trump sondern von Ronald Reagan. Die Frage ist: Wann war denn Amerika großartig? Reagan wurde wie gesagt 1980 gewählt, es können also nur die 40er bis 70er Jahre gewesen sein, die Zeit mit hohen Spitzensteuersatz und einer florierenden Wirtschaft. Die Zeit der sozialen Marktwirtschaft und in dem es den amerikanischen Traum tatsächlich gab. Reagan schlug einen neuen Weg ein, um aus der Wirtschaftsflaute herauszukommen: Den Steuern der oberen 15% der Bevölkerung kräftig senken, und den Ausfall durch die Erhöhung der “Lebens-steuern“ also Verbrauchsteuern u.s.w. ausgleichen. Der Spitzensteuersatz wurde auf 50% gesenkt. Da der Spitzensteuersatz immer die Höhe der Unternehmens-steuer sowie Kapitalertragsteuer begrenzt, sanken diese entsprechend.
Damit wurde die USA für die damalige Zeit für Kapital und Unternehmen attraktiv und die Strategie zeigte einen leichten Erfolg. Die US-Wirtschaft kam wieder in Schwung. Denn für Kapital und Unternehmen zählt die Rendite, also der Gewinn. Je niedriger die Steuern, desto höher der Gewinn – ganz einfach.

Der Neoliberalismus funktioniert in gewisser Weise. Daher folgten Magret Thatcher (Großbritannien) und nach und nach die ganze Welt. Die Spitzensteuern, Unternehmenssteuer, Kapitalertragsteuer fielen und fielen. Kein Land konnte sich diesem fatalen Sog entziehen. Wobei:
Ausgerechnet Helmut Kohl hielt dagegen und Deutschland wurde zum „kranken Mann“ Europas. Trotz Rezession hielt Kohl stur an der eigentlich schon niedrigen Spitzensteuer von 53% fest. Doch die Unternehmensteuer war die höchste in Europa (was sie heute 2025 auch wieder ist).
Nur logisch, dass sich dann die SPD unter Gerhard Schröder diesem weltweiten Trend anpassen musste. Der Spitzensteuersatz wurde auf 42% gesenkt und die Unternehmensteuer entsprechend gesenkt. Und so wurde Deutschland auch Teil des Neoliberalismus und die Wirtschaft kam wieder in Schwung.
Der Neoliberalismus hat tatsächlich die ganze Welt erobert.
Das Prinzip ist dabei immer gleich: Die Steuern, die für Unternehmen und Kapital wichtig sind, werden gesenkt. Das sind Unternehmenssteuern, Kapital-ertragsteuern und der Spitzensteuersatz. Sie hängen alle miteinander zusammen.

Wenn ein Unternehmen Gewinn macht, zahlt es Unternehmenssteuern. Wenn dann der Eigentümer (die Gesellschafter) sich diesen Gewinn auszahlen lassen, müssen sie Kapitalertragsteuern zahlen.

Genau diese Kapitalertragssteuer muss auch ein Kleinanleger auf seine Aktiengewinne zahlen – denn Geld durch Aktien sind am Ende auch Unternehmensgewinne (Falls nicht, ist es ein Aktienblase die irgendwann zwangsläufig platzen muss.). Diese 3 Steuerarten sind also entscheidend und sie wurden seit den 50er Jahren um ca. die Hälfte reduziert. Derzeit liegt der Spitzensteuersatz in den USA bei 37% von ehemals 90%. Er ist also um 59% gesunken, fast 60% Steuersenkung, das gab es bei keiner anderen Steuerart.

Diese größte Steuersenkung der Geschichte hat die obersten 15% deutlich entlastet und zwar je reicher, desto stärker – logisch.

Denn da sitzt das Geld und da spürt es die Wirtschaft.

Das sieht man eben auch auf der Grafik hier:

Das ist also der Grund, warum die Steuern ab 85% der Bevölkerung wieder sinken, und bei den obersten 3% nochmal kräftig, wie in der obigen Grafik zu erkennen ist. Diese gewaltige Steuersenkung muss zwangsläufig ein hohe Steuereinbuße erbracht haben. Milliarden weniger an Steuern für den Staat. Oder? Nein, erstaunlicherweise blieben die Steuereinnahmen gleich. Warum?

Die Lüge von der Steuersenkung

Wir können in jedem Land der Welt das immergleiche Schauspiel beobachten. Die Regierung sagt: Wir senken die Steuern, um die Wirtschaft anzukurbeln. Damit steigt das Wirtschaftswachstum und daher haben wir am Ende wieder die gleichen Steuereinnahmen trotz Steuersenkung. So auch derzeit wieder in Deutschland, da die Koalition die Unternehmenssteuern senkt. (Herbst 2025)

Es gibt einen Wert, der verrät: Es ist praktisch immer eine Lüge, und das ist die sogenannte Steuerquote. Jeder Mensch sollte wissen was die “Steuerquote“ ist.
Die Steuerquote zeigt an, wieviel Geld uns der Staat im Durchschnitt abknöpft in Form von Steuern (also ohne Abgaben -Sozialversicherung, nur Steuern). Die Steuerquote zeigt, wieviel Prozent der Staat vom gesamten BIP (in etwa das Volkseinkommen, siehe oben) an Steuern einnimmt. Diese Steuerquote ist in allen Ländern erstaunlich gleich und liegt so zwischen 20 und 25%. (Ausnahme ist Dänemark wegen der Sozialversicherung) In Deutschland beträgt sie im Mittel ca. 23%. und das seit den 50er Jahren. Und da hat sich in den vergangenen 75 Jahren kaum etwas geändert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steuerquote#:~:text=Die%20Steuerquote%20(oder%20Steuerlastquote)%20ist,einer%20anderen%20%C3%B6konomischen%20Gr%C3%B6%C3%9Fe%20wiedergibt.

Hätten die Politiker recht mit ihrer Behauptung, müsste die Steuerquote sinken, dann hätten wir eine echte Steuersenkung – logisch.
Das gestiegene Wirtschaftswachstum würde dann trotz geringer Steuerquote am Ende wieder gleich viel Steuergelder reinholen.

20% Steuern von 100 Euro sind 20 Euro
18% Steuern von 112 Euro sind auch 20 Euro

So verkauft es uns die Politik.

Doch die Steuerquote liegt in Deutschland konstant bei ca. 23%.
Und das seit den 50er Jahren. Es kann also unterm Strich unmöglich eine Steuersenkung gegeben haben. Dabei wurden die Steuern der oberen 15% der Bevölkerung halbiert. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Es wurden die Lebenssteuern also Verbrauchsteuern, Mehrwertsteuer, Grundsteuer etc. nach und nach hochgesetzt. Es kam also zu einer Umverteilung. Das was die Oberen 15% an Steuern einsparen, wurde von allen anderen in der Bevölkerung aufgefangen. Außerdem zahlt heute bereits die Mittelschicht den Spitzensteuersatz von 42%. Denn der Spitzensteuersatz wurde zwar von 95% auf 42% (bzw. 45%) gesenkt, aber der Rest blieb praktisch gleich. Und das sind die Folgen des Neoliberalismus. Und das sehen wir überall auf der Welt. Eine Umverteilung der Steuerlast von oben auf alle. Es werden im Wahlkampf Steuersenkungen versprochen, dabei bleibt die Steuerquote gleich. In Wirklichkeit wird nur umverteilt.

Die Menschen haben Recht – Das System ist schlecht

  1. Es wurden in den letzten 75 Jahren die Steuern der oberen 15% kontinuierlich gesenkt, um fast 50% – leistungsloses Einkommen wird nur noch mit ca. 25% besteuert
  2.  Der Steuerausfall wurde vor allem durch die Erhöhung der “Lebenssteuern“ ausgeglichen
  3. Die Kosten der Sozialversicherung sind zeitgleich enorm angestiegen, und werden (fast) allein von der arbeitenden Bevölkerung gestemmt also 42% der Bevölkerung

Alle 3 Punkte zusammen ergeben den Verlust der Leistungsgesellschaft und eine kontinuierliche Zunahme der Ungleichheit.

Das katastrophale Ergebnis:
Unser Wirtschaftswachstum erhöht die Ungleichheit.
Das wiederum hat zur Folge das alles was “begrenzt und begehrt“ ist enorm teuer wird und die Bevölkerungshälfte ohne Vermögen kaum eine Chance hat welches aufzubauen und gleichzeitig an den Rand gedrängt wird, in vielen Städten im wahrsten Sinne des Wortes. Das Geld bleibt vorwiegend da wo es ist. Die vermögende Hälfte ist auch eher die mit höherem Einkommen – und vererbt wird eben innerhalb der Familie. Die Erbschaftsteuer beträgt im Durchschnitt ca. 2%, die wirklich Reichen zahlen in der Regel gar nichts. Ein Teufelskreis. Genau das spiegelt die Jugendstudie wider, genau das erklärt auch den zunehmenden Rechtspopulismus. Diese 3 Punkte zusammen sind das zentrale Problem unserer Zeit. Nicht nur in Deutschland, sondern grundsätzlich überall auf der Welt.
Diese 3 Punkte sind der Grund warum die Demokratie weltweit in akuter Gefahr ist. Es ist ein Wandel wie beim Klima und mindestens so gefährlich, ich denke sogar er ist am Ende gefährlicher. Denn wenn die Demokratie verloren geht, dann ist der 3 Weltkrieg nur eine Frage der Zeit. Die große Frage ist also: Was zur Hölle hat die Politik geritten? Warum nur hat sich der Neoliberalismus überall auf der Welt ausgebreitet, unabhängig von allen Regierungen. Egal ob links, konservativ oder rechts, das Ergebnis ist überall erstaunlich ähnlich.

Die Nationalfalle

„It´s the economy, stupid“
Das sage Bill Clinton auf die Frage, was das Wichtigste sei für die Menschen. Damit hat er nicht ganz Unrecht. Denn die Wirtschaft ist das Fundament des Staates. Die Wirtschaft schafft Wohlstand und ermöglicht den Sozialstaat. Das ist die Realität. Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Mehrheit der Bevölkerung materieller Wohlstand wichtig und spätestens, wenn wir an die Errungenschaften der modernen Medizin denken, werden sogar Konsumkritiker ins Grübeln kommen. Jede Regierung muss daher zwangsläufig Maßnahmen ergreifen, damit es der Wirtschaft gut geht oder diese sogar wächst. Das hat die Bevölkerung genau begriffen. Daher ist die erste Frage die alle Regierungen beschäftigt:

Wie bekomme ich die Wirtschaft in Gang?

Dazu gehören: Abbau der Bürokratie, Ausbau (Reparatur) der Infrastruktur, Senkung der Energiepreise, Investitionen in Schule, Bildung und Forschung, Förderprogramme für Zukunftstechnologien bis zum Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland, Abbau von Zöllen, um den freien Handel zu stärken und einiges mehr. Da die Technik der Schlüsselfaktor für Wirtschaftswachstum ist, machen Investitionen in Forschung, Bildung und Innovation am meisten Sinn.
Im Vergleich zu den oben genannten Maßnahmen spielt die Höhe der Steuern nur eine untergeordnete Rolle. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied:
Alle wirksamen Maßnahmen kosten Geld und Zeit. Grundlegend wichtige Maßnahmen wie Förderung der Bildung machen sich teilweise erst 15 Jahre später überhaupt bemerkbar. Wer weiß bitte schön noch wer uns vor 15 Jahren regiert hat? Auch die Förderung der Forschung und der Aufbau der Infrastruktur machen sich erst nach vielen Jahren bemerkbar. Es gibt jedoch einen Punkt, der scheinbar nichts kostet und sofort wirkt: Das ist die Umverteilung der Steuerlast.
Steuersenkungen für Wirtschaft und Kapital und Erhöhung bei den “Lebenssteuern“ wie Verbrauchsteuern. Eine Regierung kann so relativ leicht Wirtschaftswachstum erzeugen, ohne sofort Geld in die Hand nehmen zu müssen. Es ist einfach sehr verführerisch, weil es kurzfristig erfolgreich ist (langfristig katastrophal). Das ist ein Grund, warum sich der Neoliberalismus weltweit durchgesetzt hat, selbst in den skandinavischen Ländern.
Aktuell ist es mal wieder soweit – die Steuersenkungsspirale dreht sich wieder (Oktober 2025).
Wir haben derzeit in Deutschland das dritte Jahr ohne Wirtschaftswachstum. Und alle Parteien sind sich einig: Das muss geändert werden, verständlicherweise.
Deutschland hat aber zurzeit die höchste Unternehmensteuer in Europa und sogar weltweit eine der höchsten.

Nur Japan hat höhere Unternehmenssteuern als Deutschland.(Malta hat nur theoretisch welche, in der Praxis zahlen Unternehmen praktisch gar keine Steuern)

Diese Tabelle zeigt den Druck, der auf die Regierung lastet und sie zeigt die Auswirkung des Neoliberalismus. Natürlich ist es für Unternehmen attraktiver, wenn sie weniger Steuern zahlen müssen. Daher hat die Koalition das auch schon beschlossen: Die Körperschaftsteuer (ein Teil der Unternehmensteuer) wird von 15% auf 10% gesenkt und damit die aktuelle Unternehmenssteuer von 29,9 auf 24,9% gesenkt. Damit ist Deutschland wieder im Mittelfeld
Das macht zunächst Sinn, ist aber fatal, denn die Ungleichheit wächst und es gibt keine Entlastung bei den Lebenssteuern. Der Wegfall der Steuereinnahmen muss kompensiert werden und daher werden wieder Lebenssteuern erhöht, denn die Steuerquote wird am Ende (wie immer) gleichbleiben.
Das Verrückte dabei: Am Ende sind Unternehmenssteuern gar nicht wichtig für das Wirtschaftswachstum.
Das zeigt die erfolgreiche Hochsteuerzeit der 50er bis in die 70er Jahre. Das Problem ist nur, wenn andere wirtschaftsrelevante Faktoren ähnlich sind, also Infrastruktur, Bildung, Bürokratie dann entscheidet am Ende eine Kleinigkeit wie geringere Steuern, wo das Kapital oder die Unternehmen sich ansiedeln. Es ist das berühmte Zünglein an der Waage. Um es zu verdeutlichen:

Beim Sport ist es ähnlich; Auch da gibt es wichtige Grundlagen. Es fängt bei der Jugendarbeit an, um früh Talente zu finden und zu fördern. Das kostet viel Geld und Zeit. Dann sind gute Trainingsbedingungen etc. sehr wichtig. So vergehen oft 15 Jahre bis ein Sportler endlich so weit ist Erfolge zu erzielen. Es wird also jede Menge Zeit, Energie und Geld reingesteckt. Treffen nun zwei gleichstarke Sportler aufeinander, die beide 15 Jahre investiert haben, gewinnt am Ende der mit Doping. Es ist das Zünglein an der Waage. Der Neoliberalismus ist so ähnlich. Wirtschaftswachstum entsteht auf Kosten der Gesellschaft.
Denn: Kapital und Unternehmen verhalten sich ein wenig wie Wasser. Die fließen dahin, wo die niedrigsten Steuern sind, wenn die anderen Rahmenbedingungen ähnlich sind. Unternehmen brauchen zur Gründung und zum Wachstum Kapital.

Große Unternehmen sind in der Regel Aktiengesellschaften. Wenn diese Unternehmen Gewinne erzielen, profitieren die Aktionäre. Das Geld welches so verdient wird, unterliegt der Kapitalertragsteuer. Wie hoch diese ist, legt jedes Land selbst fest, es gibt keine Regeln. Die Folge: Ein Wettbewerb – je niedriger die Regierung die Kapitalertragsteuer ansetzte, desto mehr Kapital fließt ins Land und damit in die Wirtschaft. Es gibt Wirtschaftsexperten die sagen: Es wäre optimal für das Wirtschaftswachstum, wenn es gar keine Kapitalertragssteuer geben würde. Damit haben sie sogar Recht. Denn Kapital ist für die Wirtschaft wie Benzin für Feuer. Ohne Kapitalertragssteuer würde tatsächlich das Wirtschafswachstum steigen. Die Ungleichheit würde gleichzeitig explodieren und die Welt zwangsläufig einfach früher verbrennen. Es ist also so, als ob beim Sport keine Dopingkontrollen stattfinden würden, als ob es Doping gar nicht geben würde. Was würde passieren: Auch da würden die sportlichen Leistungen erstmal steigen, aber auf Dauer wäre es verheerend. Wirtschaftswachstum ist grundsätzlich nicht schlecht, warum auch, ich möchte hier nicht in die falsche Schublade gesteckt werden. Wenn aber am Ende die Demokratie verloren geht, ist nichts gewonnen. Das Beispiel der Kapitalertragsteuer macht das deutlich.
Wenn ein Land nun eine sinnvolle also höhere Kapitalertragsteuer erhebt, hat das einen direkte Einfluss auf die Börsengewinne. Es schmälert die Rendite, also den Gewinn. Jeder Anleger achtet aber genau darauf.
2009 senkte Peer Steinbrück (SPD) die Kapitalertragssteuer auf 25% und begründete es so: „Besser 25% von X als nix.“
(es kommt noch der Solidaritätszuschlag obendrauf, es sind also in der Realität 26,38%, solange es diesen Zuschlag noch gibt)
Er hätte durchaus auch 30% nehmen können, denn viele Industrienationen, darunter die USA, liegen bei 30% und unsere Nachbarn die Franzosen sowieso. Doch Peer Steinbrück wollte Kapital nach Deutschland locken, die Wirtschaft sollte wachsen. Deutschland wurde zum Niedrigsteuerland für Kapital.
Es hat funktioniert. Deutschlands Wirtschaft wuchs kräftig und ist heute die drittstärkste Nation nach den USA und China. Kurzfristig hat es Peer Steinbrück richtig gemacht, langfristig ist es katastrophal.
Die Franzosen waren da schon immer vernünftiger. Anders als bei uns ist das Thema Gerechtigkeit einfach verbreiteter. Schon 2011 war klar: Es kann so nicht weitergehen mit der Steuersenkungsspirale. Francois Hollande gewann die Wahl 2011 mit dem Thema Gerechtigkeit. In Frankreich sollte die Spitzensteuer auf 75 % angehoben werden. Unternehmensteuer und Kapitalertragssteuer entsprechend moderat erhöht werden. Direkt nach seiner Wahl beantragten etliche reiche Franzosen die Staatbürgerschaft in Belgien. Und Belgien nahm dankend an. https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hollandes-steuerpolitik-laesst-unternehmer-fliehen-a-875101.html
(Gerald Depardieu wurde Russe)
Das Verrückte an der Geschichte; Hollande konnte den hohen Spitzensteuersatz nicht durchsetzen, allein die Androhung reichte schon aus. Auch die anderen Steuerarten konnte er nur wenig erhöhen: Die Kapitalertragssteuer betrug damals immerhin 30% und Hollande setzte sie auf 35% und auch die Vermögensteuer (ja, die Franzosen haben die natürlich noch allerdings nur für Immobilien) um lediglich 1%. Eigentlich nicht viel und lange nicht ausreichend. Doch diese minimale Steuererhöhung war spürbar. Es kam zur Kapitalflucht vor allem weil das Nachbarland (Deutschland) nur 25% (26,38%) Kapitalertragsteuer erhob. Das Wirtschaftswachstum ging von 2,19% (2011) auf 0,31% (2012) zurück. Es blieb bis 2016 auf niedrigem Niveau von unter 1%, während in der restlichen EU deutlich höhere Wachstumsraten zu verzeichnen waren. Da war Frankreich plötzlich der kranke Mann Europas.

https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article130941187/Wie-Hollande-Frankreichs-Wirtschaft-abwuergt.html

Schuld war natürlich die Regierung. 2017 wurde dann Emanuel Macron gewählt, der als erstes die Wirtschaftssteuern senkte. Zack – das Wirtschaftswachstum stieg wieder auf 2,29 %. Es ist so verblüffend einfach, es ist genauso verblüffend plausibel und es ist fatal. Es ist wie beim Doping im Sport nur schlimmer – viel schlimmer.

François Hollande hat es so gesehen:

„Mein wahrer Gegner hat keinen Namen, kein Gesicht, keine Partei, er wird sich niemals zur Wahl stellen, er wird nie gewählt werden und trotzdem regiert er. Dieser Gegner, das ist die Welt der Finanzen.“
– Hollande, 21. Januar 2012

Ich sehe es anders:
Die Welt der Finanzen ist genauso wenig schlecht wie der Kapitalismus oder die Globalisierung (oder Wirtschaftswachstum)
Im Gegenteil: Sie schaffen Wohlstand und nicht zuletzt den Sozialstaat.
Das Problem sind die fehlenden Regeln. Als Hollande die 35% Kapitalertragsteuern einführte, lagen diese in Deutschland bei 25%.
Wo fließt das Kapital dann hin? Es ist nicht die Welt der Finanzen, es sind die Menschen die keine Regeln aufstellen.
Alle denken nur national. Jedes Land der Welt hat eine Flut von Gesetzen, die für das eigene Land gelten. Die Wirtschaft hingegen und das Kapital sind international. Wir haben einfach keine globale Steuerung, wir sind global blind, weil jedes Land nur national denkt. Unsere Welt ist „kopflos“ Wir stecken alle in der Nationalfalle.“

Ich sage daher:

„Die Welt der Finanzen, die Unternehmen, die gesamte Wirtschaft regieren die Welt nur aus einem Grund: Da es keine Regeln gibt!“

Ohne Regeln funktioniert die Weltwirtschaft genauso wenig wie ein Fußballspiel. Gerecht und fair geht es nur mit Regeln. Ansonsten kann es nur im Chaos enden.

Wer es immer nicht glaubt: Stellen wir uns einfach ein gerechtes Steuersystem vor, das uns zur Leistungsgesellschaft zurückführt.

Was wäre, wenn wir ein gerechtes Steuersystem hätten

Die Kapitalertragssteuer ist ein sehr gutes Beispiel, da sie fast immer ein extra Einkommen darstellt, oft eben „leistungslos“. Ich bekomme Geld durch Geld. Mieteinnahmen, Zinsen, Zinseszins und vor allem Aktienrenditen sind hier zu nennen- Geld durch Aktien sind zwangläufig Gewinne von Unternehmen. In meinem gerechten Steuersystem gäbe es nur noch die Einkommensteuer (neben Erbschafts-/Vermögensteuer + sinnvolle Verbrauchsteuern).
Bei Kapitalerträgen fängt es also ganz moderat bei 5% an. Konkret; Hat jemand 50.000 Euro als Festgeld angelegt, bekommt er beim aktuellen Zinssatz ca. 1000 Euro im Jahr heraus. Er zahlt dann 5% also 50 € Steuern.
Wie hoch muss nun eine gerechte Kapitalertragsteuer gehen?
Die oberen 5% besitzen fast die Hälfte des Nettovermögens in Deutschland

https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/erbschaft-und-vermoegen-warum-wir-die-wahren-werte-nicht-kennen,UyBaJtI

Wie ich oben bereits erwähnt habe, ist das Privatvermögen in Deutschland gigantisch. Die oberen 5% der Bevölkerung haben davon fast die Hälfte. – das sind gut 4 Millionen Menschen. Die haben im Durschnitt pro Kopf also ein Vermögen von 2,23 Millionen Euro eine 6-köpfige Familie daher 13,36 Millionen €.
Wir haben erstaunlich viele Super- oder Überreiche in Deutschland. Wie gesagt ist 75% von diesem Vermögen nicht erarbeitet worden, sondern durch Schenkungen und Erbschaften entstanden. Ein Beispiel macht es anschaulich:

48,5 % der Aktien der Automarke BMW gehören zwei Menschen, Sohn und Tochter des ehemaligen BMW-Gründers.
Ihnen gehört also fast die Hälfte des Unternehmens und ihr Vermögen wächst, wenn die Aktienkurse wachsen – steuerfrei, denn es gibt keine Vermögensteuer. Wenn jedoch Dividende ausgeschüttet wird, sind 26,38 % Steuern fällig (25% + Solidaritätszuschlag)
Im Jahre 2018 waren es tatsächlich 3 Millionen Euro Dividende (Rendite) pro Tag.

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/bmw-grossaktionaere-familie-quandt-verdient-drei-millionen-euro-pro-tag/21096174.html

Jeden Tag 3 Millionen Euro einfach so, leistungsfrei. Das sind 1.095 Millionen (also eine gute Milliarde) im Jahr. Und das war nur das Jahr 2018, was zugegeben besonders gut war. Für diese gigantischen Einnahmen sind dann aktuell nur 26,38 % Kapitalertragsteuer fällig, es blieben den beiden also noch 806,12 Millionen € allein im Jahr 2018. 806,12 Millionen leistungsfrei in einem einzigen Jahr.

Wie wäre es bei 95% Kapitalertragssteuer?

Sie hätten dann “nur“ noch 54,75 Millionen Euro im Jahr 2018. Das wären aber immer noch mehr als eine Million pro Woche. Also jede Woche ein Sechser im Lotto das ganze Jahr, leistungsfrei. Sie wären immer noch überreich und das bei einer Kapitalertragsteuer von 95%, in nur einem einzigen Jahr.
Das Beispiel zeigt, wie grundlegend wichtig es ist, dass wir progressive, also ansteigende Steuern haben und diese auch bis 95% hochgehen (mindestens). Wie ich schon sagte: Feste Steuersätze machen in einer hochtechnisierten Welt keinen Sinn mehr. Heute zahlt der Kleinsparer die gleiche Kapitalertragsteuer von 26,38% wie die BMW Erben.
Die beiden Nachkommen des BMW-Gründers haben mittlerweile ein Vermögen von über 45 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Das sind 45 Tausend Millionen €! Das ist gewaltig viel Geld. Stell dir vor, du würdest jede Woche einen 6er im Lotto haben. Jede Woche eine Million im Lotto also 52 mal im Jahr gewinnen.
Wieviel Jahre lang müsste diese Glücksträhne anhalten, bis du 45 Mrd. € zusammen hast? Antwort: 865 Jahre. Du hättest also im tiefsten Mittelalter im Jahr 1160 anfangen müssen Lotto zu spielen und jede verdammte Woche einen 6er haben. 95% Kapitalertragsteuer wären also absolut sinnvoll für die Superreichen und ja, so ähnlich war es wohl in den 50er Jahren.
Wenn nun Deutschland eine progressive Kapitalertragsteuer einführt, die von 5% bis 95% geht, was würde passieren? Vielleicht würden die BMW-Erben ja sagen: Stimmt, das ist gerecht. Ernsthafte Sorgen müssen sich die Beiden eh nicht machen. Sie bleiben superreich. Wird aber schwierig.
BMW hat insgesamt 30 Produktionsstandorte davon gerade mal 8 in Deutschland. Das größte Werk der BMW Group befindet sich in Spartanburg, South Carolina. Eine Kapitalertragsteuer die bis 95% geht, würde die 8 deutschen Werke extrem bedrohen. Denn jeder Großaktionär wäre betroffen. Die beiden Geschwister halten ja “nur“ knapp die Hälfte der Aktien. Überhaupt: Nur 33,1 Prozent der Aktien aus dem Deutschen Aktien Index (DAX) werden von Deutschen gehalten. Der größere Teil stammt von ausländischen Investoren – fast 66%. So hat das kleine Land Katar, welches die letzte Fußball WM ausgerichtet hat, erstaunlich viel investiert in den Standort Deutschland.

Die Grafik ist von 2022, mittlerweile sind es schon 17% der Aktien die Katar bei VW hält. Warum investiert Katar ausgerechnet in Deutschland? Natürlich, weil es fast keine Steuern zahlen muss. Wieviel Kapitalertragsteuern muss das kleine Land Katar bezahlen? Keine, richtig 0,0 %.
“Die Katar Holding profitiert von der deutschen Holding-Besteuerung, bei der Gewinnausschüttungen weitgehend steuerfrei sind und die Gewerbesteuer durch die Beteiligungsstruktur umgangen wird. Die effektive Steuerlast ist dadurch sehr gering.“
Bei der amerikanischen Firma BlackRock (bei der Friedrich Merz früher gearbeitet hat), sind es ungefähr 82,5 Milliarden Euro die in Deutschland investiert wurden, und Überraschung: Steuern zahlen sie fast keine.

https://www.tagesschau.de/investigativ/blackrock-eu-steuervermeidung-100.html

Würden wir eine sinnvolle und gerechte Kapitalertragsteuer einführen, der Standort Deutschland wäre innerhalb kurzer Zeit ruiniert.
Allein die Ankündigung würde schon dazu führen, dass die großen Player sich umschauen. Sie müssen es sogar, denn ihr Ziel ist eine möglichst hohe Rendite, also Gewinn. Würde Katar bei VW aussteigen, wäre das vermutlich in der heutigen kritischen Situation eine Katastrophe. Es sind 17% des (noch) größten Autokonzerns der Welt – der Aktienkurs würde in den Keller rauschen. Das könnte eine Kettenreaktion auslösen und der DAX zusammenbrechen- und die deutsche Wirtschaft wäre ruiniert.
Unser Steuersystem ist nicht das Ergebnis vom gesunden Menschenverstand, Fairness und Gerechtigkeitssinn. Unser Steuersystem ist das Ergebnis von reinen Profitinteressen der Mächtigen, und warum?
Weil es keine Spielregeln gibt. Eine Demokratie kann nur überleben, wenn es vernünftige Regeln gibt, an die sich alle halten müssen.

Globalisierung: Unsere Welt ist derart vernetzt, dass nationales Denken keinen Sinn mehr ergibt

Damit ich nicht in die falsche Schublade gesteckt werde: Die Globalisierung ist nicht das Problem. Die Globalisierung ist genauso wenig schlecht, wie Wirtschaftswachstum oder der Kapitalismus. Im Gegenteil: Grundsätzlich profitieren wir. Das war schon immer so. Vor 5000 Jahren wurde Flintstein oder Bernstein bis in den vorderen Orient exportiert und andersherum Kupferbeile bis nach Skandinavien. Das macht einfach Sinn. Daher ging es auch immer weiter. Heute sind große Unternehmen so stark international vernetzt, dass sie im Grunde gar nicht mehr national sind.
So ist die Bosch Gruppe zum Beispiel in über 60 Ländern angesiedelt und stellt Komponenten her, die in vielen Produkten zu finden sind. Viele dieser Komponenten sind für uns nicht sichtbar. So enthalten viele chinesische E-Autos Teile von Bosch. Stellt die USA das I Phone her? Nur einen winzigen Teil. Es sind über 45 Länder beteiligt, auch Deutschland- im Übrigen sogar entscheidend wichtig. Es sind Zeiss und Schott aus Deutschland, ohne die das I Phone nicht gebaut werden könnte.

https://www.macwelt.de/article/973461/iphone-stammt-von-1049-zulieferern-aus-45-laendern.html

Wow, 45 Lände! Die Firma Apple ist also eigentlich international und nicht ein amerikanisches Unternehmen.
Wir erleben eine Spezialisierung bei Bauteilen für alle möglichen Produkte. Das macht Sinn und wir profitieren alle davon. Nicht nur bei Smartphones, sondern auch bei Autos, Fahrädern usw. Heute sind alle großen Unternehmen in vielen Ländern aktiv. Wie gesagt: BMW hat nur 8 von 30 Standorten in Deutschland. Bei VW, Mercedes, Opel und Porsche ist es grundsätzlich ähnlich. Die Produktion der urdeutschen Marken ist mittlerweile im Ausland höher als bei uns.
Die Unternehmen sind also schon lange nicht mehr national, wir denken dennoch so. VW, BMW oder Bosch sind doch alles deutsche Marken?

Die Konkurrenz der Nationen, ist vollkommen unnötig. Wir müssten einfach nur gemeinsame Regeln aufstellen – so einfach wäre es. Ohne Regeln kann eine Gesellschaft nicht funktionieren, nicht mal ein Fußballspiel.
Es heißt immer: Schuld ist das Profitstreben, Schuld ist der Kapitalismus oder die Globalisierung. Aber das ist einfach falsch. Stellen wir uns ein Fußballspiel vor, zum Beispiel die WM. Natürlich streben alle Spieler nach dem Sieg, natürlich ist hier Kampfgeist also “Profitstreben“ erwünscht und sogar Voraussetzung. Natürlich führen gerade dieser Wettbewerb und die Konkurrenzsituation zu den besten Leistungen. Und es funktioniert, da es verbindliche Regeln für alle gibt.
Und die werden gut überwacht. Stellen wir uns mal einen Moment vor, wie eine Fußball WM ablaufen würde, wenn jede Nation ihre eigenen Regeln aufstellt? Abseits? Gibt es bei uns nicht mehr.
Es würde eine Spirale der Eskalation entstehen und die Gewalt würde sich sofort hochschaukeln, das aggressivere Team gewinnt, die Mannschaft, die fairer spielt verliert und am Ende hätten wir Krieg.
So ähnlich ist es in der Weltwirtschaft, nur das die Folgen viel dramatischer sind.
Das Profitstreben setzt sich gnadenlos durch, auf Kosten der Gesellschaft. Ein Land, das da nicht mitmacht, steht schnell auf der Verliererseite, genau wie das fair spielende Fußballteam.
Die Politik kann daher nur eingeschränkt auf nationaler Ebene ein gerechtes Steuersystem einführen.
Wir stecken alle in der Nationalfalle.

Und das ist am Ende der Grund, warum sich der Neoliberalismus auf der ganzen Welt ausgebreitet hat. Egal ob Sozialdemokraten, Linke, Konservative oder Rechte am Ruder waren. Wasser fließt nun mal zum niedrigsten Punkt. Das erklärt auch, warum so viele Menschen den Glauben in die Politik verloren haben. Es ändert sich ja doch nichts. Und diese Menschen haben recht. Doch diese Menschenliegen völlig falsch, wenn sie glauben, dass die Rechtspopulisten ihnen helfen würden. Die machen es nur schlimmer.

Die USA zeigt wohin die Reise geht:

Wie ich oben bereits beschrieben habe, ist uns die USA in Sachen Ungleichheit ca. 10 bis 20 Jahre voraus. Sie haben den Neoliberalismus besonders vehement durchgezogen. Zwei Professoren der University of California, Berkeley haben es in ihrem Buch: “Der Triumph der Ungerechtigkeit“ wunderbar beschrieben.

Dieses Buch war eben auch eine wichtige Grundlage für mein “Büchlein“ hier. Das Bild der Waage bringt es auf den Punkt: Je mehr die Wirtschaft wächst, desto größer werden die Unterschiede in der Bevölkerung, ein Teufelskreis.
Alles, was ich oben beschrieben habe, gilt natürlich auch für die USA, nur dramatischer. Alles, was begrenzt und begehrt ist, wird nochmal deutlich teurer als bei uns. Die wohlhabende Hälfte der Bevölkerung ist nochmal deutlich reicher als bei uns. Das Wirtschaftsparadoxon ist in den USA unfassbar krass.

Hier ist nochmal das BIP/Kopf im internationalen Vergleich. (ohne die Kleinländer)

Die USA hat im Durchschnitt mehr als ein Drittel höhere Kaufkraft als wir, und im Vergleich zu ganz Europa sogar doppelt so viel. Jeder US-Bürger hat also im Durchschnitt die doppelte Kaufkraft wie ein Europäer – und sogar 2,7-mal mehr als ein Japaner. Obwohl die USA absoluter Spitzenreiter im Wirtschaftswachstum sind, wurde Trump vor allem wegen der Wirtschaft gewählt. Das klingt grotesk (und es ist grotesk). Denn die USA boomt – natürlich auch unter Joe Biden:

„So ist beispielsweise 2023 die US-Volkswirtschaft um mehr als 3 % gewachsen, während Deutschland ein Minus von 0,3 Prozent verzeichnete. Auch im ersten Quartal 2024 mussten die US-Prognosen nach oben korrigiert werden, ein Ende des Wachstums scheint zunächst nicht in Sicht. Seit Ende 2019 wuchs die US-Wirtschaft damit real um 8 Prozent – doppelt so viel wie in der Euro-Zone und zehnmal so viel wie in Japan“, schreibt der „Economist“.

Wie kann es sein, dass die Menschen dann Trump wählen wegen der Wirtschaft?
Die Reporterteams von Markus Lanz, Antje Pieper u.s.w., die vor der Wahl 2024 in den USA waren, zeigen es eindeutig: Die Menschen sind regelrecht verzweifelt.
Sie wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Sie wissen nicht, wie sie die Miete zahlen, den Tank vollbekommen sollen trotz Job oder sogar zwei Jobs. Eine Eigentumswohnung oder gar ein Eigenheim ist für viele komplett unvorstellbar geworden. Und das im reichsten Land der Welt. Sie wählten Trump aus Verzweiflung nach dem Motto: Das etablierte System hat versagt. Nur wenn wir extrem wählen, gibt es überhaupt eine Chance auf Veränderung.

In einem Beitrag erschien auch eine schwarze Anwältin, die immer nur die Demokraten gewählt hat und sich vor allem für sozial Benachteiligte einsetzt. Sie sagt aber jetzt: „Ich selbst komme gut zurecht, ich sehe aber, dass fast alle meine Klienten wirklich große Schwierigkeiten haben. Es wird immer schlimmer, daher muss was passieren und deswegen wähle ich Trump.“
Wie verzweifelt die Menschen sind, zeigt eben auch, dass sehr viele Nicht Weiße Menschen Trump wählen, obwohl Trump sich immer wieder rassistisch äußert. Ein Zitat aus einer Rede kurz vor der Wahl im Herbst 2024, indem sich er sich auf Einwanderer aus Mexiko bezieht macht es deutlich:

„Die Demokraten sagen: ‚Bitte nennen Sie sie nicht Tiere, sie sind Menschen‘. Ich sage: ‚Nein, das sind keine Menschen, das sind keine Menschen, das sind Tiere“.

Das ist Faschismus in Reinform. Selbst ein Björn Höcke würde Menschen nicht als Tiere bezeichnen, zumindest nicht in einer offiziellen Rede. Dabei sind in den USA 39% der Bevölkerung Hispanics, Schwarze, Asiaten und First Natives. Nur 61% sind Weiße, davon die Hälfte weiblich. Am Ende sind nur 30,5% der US-Amerikaner männlich und weiß, die eigentliche Zielgruppe von Trump. Und dieses knappe Drittel der US-Bevölkerung wählt traditionell fzur Hälfte die Demokraten. Theoretisch hätte Trump mit seiner sexistischen, rassistischen Art keine Chance haben sollen. Die USA ist einfach viel zu bunt. Doch der Teil der Schwarzen, Hispanics, Asiaten und Frauen die Trump gewählt haben, hat sich im Vergleich zur Wahl im Jahr 2020 fast verdoppelt. https://www.nzz.ch/visuals/die-wahlnacht-in-zahlen-trump-verdankt-seinen-sieg-den-schwarzen-maennern-den-latinos-und-den-jungen-ld.1855851

Trump hätte ohne ihre Stimme nicht gewinnen können.
Die Leute wissen schon, wen sie da wählen, sie glauben einfach nicht mehr an den “normalen“ etablierten Staat. Sie wählten eine Partei, die sich offen gegen den Staat stellt. Und dieses Prinzip finden wir überall auf der Welt, so dass die Rechtspopulisten immer stärker werden.

Mal ehrlich:
Wer glaubt noch, dass eine Partei in der Lage ist die Mieten wieder runterzubekommen, die Rente zu sichern oder die Lebenshaltungskosten zu senken? Eigentlich keiner.
Die etablierten “normalen“ Parteien haben tatsächlich versagt. Hier stimmt was mit dem System nicht. Daher ist es nur logisch eine Partei zu wählen, die sich offen gegen dieses System richtet. Die Brandmauern, die überall aufgestellt werden, erzeugen daher den gegenteiligen Effekt: Sie wirken wie ein Gütezeichen, das dem Wähler die Sicherheit gibt: Aha, diese Partei ist also gegen das “etablierte System“. So war (und ist) es auch in den USA. Die Gräben (Brandmauer) zwischen Demokraten und Republikaner sind so tief, dass die Menschen nicht mal miteinander reden. Nie zuvor war die jeweils andere Partei das ultimativ Böse, und damit tabu. In Deutschland gibt es auch schon dieses Tabu mit der AFD.
Dieses Prinzip ist wie ein roter Faden überall zu erkennen, fast überall auf der Welt. Das sollte uns zu denken geben. Wie so oft in der Geschichte ist die USA hier Vorreiter. Mit der Ausnahme, dass sich hier eine etablierte, früher demokratische Partei radikalisiert hat. Mittlerweile (Oktober 2025) wird kein denkender Mensch bestreiten können, dass die Demokratie sich bereits in weiten Teilen verabschiedet hat in den USA. (Vorbild Ungarn) Was aber leider die komplette Berichterstattung nur am Rande erwähnt (oder gar nicht):
Warum sind die Menschen ausgerechnet im reichsten Land der Welt so verzweifelt. Warum ausgerechnet in dem Land mit dem besten Wirtschaftswachstum überhaupt? Warum wird nicht über die zunehmende Ungleichheit als zentrales Problem berichtet? Die USA hat pro Kopf die doppelte Kaufkraft im Vergleich zu Europa. Und pro Kopf heißt: Vom Säugling bis zum Greis, vom Obdachlosen bis zum Gefängnisinsassen. Und die USA hat unfassbar viele Gefängnisinsassen. Die Wirtschaft boomt, wie sonst eigentlich nirgends auf der Welt. Wie zum Teufel kann es da sein, dass 30% der Amerikaner, nicht wissen, wie sie über die Runden komme sollen, trotz harter Arbeit.

Hier die Vermögensverteilung in den USA

Das gesamte Privatvermögen wird auf mindestens 160 Billionen US Dollar geschätzt (2025) Bei 340 Millionen Einwohnern bedeutet das 470.588 Dollar pro Kopf, also alle vom Säugling bis zum …. Jede sechsköpfige Familie hat also über 2.8 Millionen Vermögen im Durchschnitt. Aber eben nur im Durchschnitt. Die unteren 30% haben gar nichts, was zwangsläufig bedeutet: die andern haben um so mehr- vor allem die obersten 10% haben allein 40% des Privatvermögens. Diese gigantische Ungleichheit hat eben dramatische Folgen. So ist die soziale Mobilität in den USA praktisch gleich null. Wenn du in eine arme Familie hineingeborgen wirst, gehst du auf zweitklassige Schulen, hast ein entsprechend anders soziales Netz, kannst nicht studieren und hast keine Chance aufzusteigen. Der unglaubliche Reichtum der USA ist gleichzeitig der Fluch der Besitzlosen. Allein mit Leistung was zu erreichen ist daher fast unmöglich.
Denn diese unglaublichen Summen treiben die Preise bei allem, was begrenzt und begehrt ist entsprechend in die Höhe. In den USA sogar in der Medizin. Ich habe mich immer gewundert, warum die USA die mit Abstand höchsten Gesundheitskosten pro Kopf hat.

https://de.statista.com/infografik/34198/pro-kopf-gesundheitsausgaben-in-ausgewaehlten-oecd-laendern

Gesundheit ist nun mal das wichtigste Gut und da die Hälfte der Amerikaner so unglaublich wohlhabend sind, treibt das die Preise enorm nach oben. Arm sein in einem reichen Land ist diskriminierend, da die Teilhabe nicht mal beim Gesundheitssystem möglich ist. So ist zum Beispiel der Zahnarzt für die unteren 30% nicht mehr bezahlbar. Ein Drittel der US-Bevölkerung ist auf kostenlose zahnmedizinische Behandlung angewiesen, die einmal im Jahr in Sporthallen vorbeikommt und von Studierenden gemacht wird. Zahnersatz ist so nicht möglich – nur das Nötigste kann gemacht werden. https://www.zm-online.de/news/detail/warum-bernie-sanders-jetzt-die-zahnmedizin-ins-visier-nimmt

Auch sonst bekommen sie nur eine sehr eingeschränkte medizinische Versorgung. Und dennoch müssen die untern 30% kräftig Steuern und Abgaben zahlen:

Wie hier in der Grafik zu sehen ist. (aus dem Buch – “Triumph der Ungleichheit“ ). Und die Grafik ist von 2018, mittlerweile es noch deutlich krasser. Wer sich die Mühe macht, sich in die untersten 30% der Amerikaner hineinzuversetzen, versteht wie unglaublich wütend und frustriert sie sein müssen. Du lebst in einem Paradies mit der besten medizinischen Versorgung weltweit, bleibst aber ausgeschlossen, obwohl du hart arbeitest und prozentual mehr Steuern zahlst als die Überreichen. Und so wird auch unsere Zukunft aussehen.
Die Nationalfalle führt uns genau dorthin. Die Koalition will die Körperschaftsteuer von 15% auf 10% senken. Damit zahlen die Überreichen bei einer vermögensverwaltenden GmbH nur noch 10% Steuern – das ist absoluter Wahnsinn. Wir werden also zwangsläufig so werden wie die USA. Mit allen Folgen. Und es betrifft alle anderen Länder auch. Die Rechtspopulisten sind überall auf dem Vormarsch und in Europa. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dieser Trend gestoppt werden könnte, wenn wir nicht der Nationalfalle entkommen. (Da hat Kevin Kühnert absolut recht)

Wir müssen dringend handeln, wenn wir die Demokratie retten wollen.

Zumal es schon bald noch deutlich schlimmer wird:

Das entscheidende Problem bei der KI sind Steuern und Abgaben:
Arbeit wird hoch belastet – Technik gering

Die KI (Künstliche Intelligenz) hat das Zeug unser Wirtschaftswachstum deutlich anzukurbeln. Unternehmen werden neue Rekordgewinne einfahren, denn es werden massiv Personalkosten gespart und gleichzeitig die Effizienz gesteigert. Zudem werden neue Wirtschaftszweige entstehen, wie bei jeder technischen Revolution. Die KI hat das Potential unsere Welt deutlich zu verbessern-sie könnte tatsächlich Wohlstand für alle bringen und unsere Welt in ein Art Paradies verwandeln. ABER: Nicht bei unserem Steuer- und Abgabensystem:

Alle oben genannten Folgen werden sich erheblich verschärfen.

Die Wirtschaft wächst und damit die Ungleichheit. Arbeit wird weiterhin mit 50% belastet und lohnt sich immer weniger. Wir verabschieden uns endgültig von der Leistungsgesellschaft. Arbeit wird bestraft, die KI hingegen belohnt. Die Prognosen sagen bis zu 50% der Jobs können durch die KI wegfallen. 50% bleiben daher noch, die sollen dann allein die Sozialversicherung wuppen?

Genau wie alle anderen technischen Revolutionen kann auch die KI unsern Wohlstand und die Medizin deutlich voranbringen Doch ausgerechnet unser Steuer-und Abgabensystem verhindert dies und bewirkt genau das Gegenteil. Wie bekloppt können wir sein?

Ungleichheit wird oft falsch verstanden – Unsere Gesellschaft war insgesamt noch nie so verschieden

Ungleichheit gab es schon immer und früher sogar noch drastischer.

Doch damals war sie anders. Denn im Mittelalter bis zur Neuzeit, gab es nur eine sehr kleine Oberschicht. Diese war zwar weit weg von der Bevölkerung, doch waren es eben nur sehr wenige „Superreiche“. Zu wenig um den “Begehrt-und-Begrenzt-Effekt“ auszulösen, da insgesamt zu wenig Kapital vorhanden war.
Dennoch würde so eine Gesellschaft nach dem Gini-Index als krass ungleich eingeordnet. Der Gini-Index ist das offizielle Maß für Ungleichheit, er misst eben nicht wie durchwachsen die Gesellschaft ist, wie hoch das Geldvolumen insgesamt im Bezug zur Kaufkraft ist. Doch das ist entscheidend für den Begrenzt-und-Begehrt-Effekt. Die Ungleichheit vergangener Jahrhunderte hätte nicht zu einem Wacken Ticket für 350 € geführt, da das Geldvolumen insgesamt gar nicht da war.  
Damals galt noch Bauer = Bauer, Handwerker = Handwerker, Student = Student, Künstler = Künstler, Arbeiter = Arbeiter

Die Bevölkerung war unter sich gesehen relativ gleich. Das war bei uns sogar noch bis in die 80er Jahre so. Es hat sich langsam und unmerklich verändert. Denn die enormen Mengen von Kapital haben enorme Auswirkung.
Die Folge: wir sind mittlerweile sehr heterogen, durchwachsen wie Speck, wie ein guter alter Schinken. Wir tun aber immer noch so, als wären wir gleich – wir denken weiterhin in Schubladen.

Bauer = Bauer, Handwerker = Handwerker. Student = Student, Künstler = Künstler, Arbeiter = Arbeiter – Dabei leben wir in einer ganz anderen Welt als früher. Ich kann mich noch gut an die Bauernproteste Anfang des Jahres 2023 erinnern, als die Steuer für Agra-Diesel erhöht werden sollte, so dass sie der normalen Dieselsteuer entsprach. Natürlich wird dann nur über eine Schublade gesprochen: die Bauern. Doch die Unterschiede sind gewaltig.

Ein Bauer, der einen Betrieb geerbt hat ist nämlich durch den “Begrenzt-und-Begehrt-Effekt erstaunlich wohlhabend. Denn auch die Preise für Ackerland sind explodiert. Eine Folge der enormen Kapitalmengen und Geld aus dem Ausland.

So kostet ein Hektar Ackerfläche in NRW mittlerweile 87.236 € im Durchschnitt. 63 Hektar beträgt die Durchschnittsgröße eines Bauernhofs, das wären also 63 mal 87.236 € stolze 5,3 Millionen €. Dazu kommen natürlich noch die Hofgebäude, die in Abhängigkeit der Lage durchaus eine Millionen € wert sein können. 1975 kostete ein Hektar Ackerfläche im Mittel 1350 DM also 675 €.

Das entspricht heute inflationsbereinigt 1663,75 €

Der Bauer, der den Betrieb pachten muss, steht komplett anders da.
Diesen Effekt gibt es in vielen Bereichen: Es zieht durch die gesamte Gesellschaft, wird nur nicht gesehen, da Geld ein Tabuthema ist.
Es werden jedes Jahr ca. 400 Milliarden vererbt, aber eben nur für die Hälfte der Bevölkerung. Jedes Jahr 80% des Bundeshaushalts und daher werden wir jedes Jahr ungleicher. Heute ist also die Ungleichheit anders als früher, da sie die komplette Bevölkerung durchzieht.
Zwei Ingenieurinnen, gleiche Ausbildung, gleicher Job, Die eine hat ein Mietshaus geerbt. Sie kann sich und ihrer Familien 3 Urlaube im Jahr gönnen + Wacken Festival u.s.w. und sich ein Einfamilienhaus leisten + Wohnmobil. Die andere Ingenieurin hat nichts geerbt und muss vielleicht eine horrende Miete zahlen und kann das alles nicht. Ihre Miete fließt an die Erbin des Mietshauses.

Der Staat macht es noch schlimmer: Geld fließt zu Geld

Den meisten Leuten ist das nicht so klar, es gibt eine Menge Beispiele; ich möchte einige wenige nennen: So wird viel über Staatschulden diskutiert, daran ist sogar die Ampel Ende 2024 zerbrochen. Das Problem bei Staatschulden, sind gar nicht die Schulden als solches, nach dem Motto: Können wir uns das leisten? Das Problem sind die Zinsen. Die Zinsen der Staatschulden müssen nämlich alle zahlen (siehe oben: Steuern zahlen wir alle). Diese Zinsen werden 2025 voraussichtlich bei mindestens 34 Milliarden Euro liegen. Und die zahlen wir alle – wirklich alle. Aber wer bekommt denn diese 34 Milliarden Zinsen? Wer hat Deutschland denn das ganze Geld geliehen? Sind es etwa andere Staaten? Nein, alle Staaten der Welt sind verschuldet, das macht keinen Sinn (Außer Katar, Norwegen und andere Petro Staaten). Das Geld für die Staatsschulden der Welt kommt von den Wohlhabenden, die Staatsanleihen gekauft haben. Und diese Besitzer der Staatsanleihen bekommen die Zinsen. Das Geld geht also wieder in die Taschen der ohnehin Reichen. 34 Milliarden in Deutschland jedes Jahr an die Wohlhabenden – leistungsfrei.
Das Bundesministerium für Verkehr bekommt 2026 nur 28,3 Milliarden. Wie sollen wir so die Bahn sanieren?  Noch ein Beispiel:

2025 sind 52 Milliarden für das Bürgergeld eingeplant. Und damit kommt die Regierung auch nur hin, wenn sie rigoros durchgreifen.
Was dabei nie erwähnt wird: Gut die Hälfte davon fließt auch wieder in die Taschen der Reichen, nämlich in Form von Miete. Die Miete macht nämlich mindestens 50% dessen aus, was ein Bürgergeldempfänger an Ausgaben hat.
Und dann kommt noch ca. 5 Milliarden Wohngeld dazu, Tendenz stark steigend wegen der steigenden Mieten. Also insgesamt über 30 Milliarden an die ohnehin Wohlhabenden.

Wir tun aber immer noch so, als wären wir eine Leistungsgesellschaft, als wären wir gleich und hätten gleiche Chancen.

Das zeigt sich auch zum Beispiel beim Kindergeld:Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit hat 2024. 54,54 Milliarden € Kindergeld gezahlt. Darin sind aber nicht die Freibeträge der Spitzenverdiener enthalten. Denn es gibt die Möglichkeit, anstatt Kindergeld eine Steuerersparnis zu beantragen. Das macht aber nur Sinn, wenn ich sehr viel Einkommensteuer zahle, also den Spitzensteuersatz. Dann spare ich statt 255 € sogar bis zu 360 € pro Monat. Also haben die wirklich Reichen sogar 105 € mehr Kindergeld im Monat. Also statt 255 € dann 360 €. Ich konnte es nicht herausfinden, aber es werden daher in Wirklichkeit wohl eher 60 Milliarden € sein, die der Staat für Kindergeld aufwendet. 60 Milliarden, das ist gewaltig viel. Der Witz dabei:

Die oberen 30% der Bevölkerung sind so vermögend, dass sie gar kein Kindergeld bräuchten. Sie würden es nicht einmal bemerken, wenn sie es nicht bekämen. Es wären hier also ganz einfach 30% des Kindergeldes einzusparen.
Das wären stolze 20 Milliarden € im Jahr. Zum Vergleich, im Jahr 2024 hat Deutschland 22,7 Milliarden Euro durch die Energiesteuer eingenommen, das was unsern Strom so teuer macht. Da wird die Dimension deutlich – unser Strom könnte viel günstiger sein und das Land gerechter und das nur durch Kindergeld.

Aber Obacht, das ist wichtig:

Eine Grenze festzulegen, bei der es kein Kindergeld mehr gibt, wäre schlecht, ganz schlecht. Stattdessen müssen wir es progressiv machen, auf den Euro genau. Also das Kindergeld verringert sich stetig, je höher Vermögen und Einkommen sind. Ganz einfach und im Computerzeitalter gar kein Problem – nicht nur Steuern müssen progressiv sein, genauso Zuwendungen, sonst ist es ungerecht. Und doch ist es schwierig, denn: Vermögen wird in Deutschland nicht erfasst seit 1997, das Finanzamt interessiert sich nicht dafür.

Ich kann sogar krass reich sein, und dennoch nur ein mittelmäßiges Einkommen haben. Zum Beispiel mit einer vermögensverwaltenden GmbH. Oder: Ich habe mehrere Mietshäuser geerbt und die werden alle energetisch saniert und renoviert. Dann habe ich vorübergehend auch nur ein geringes Einkommen, stattdessen Kredite abzuzahlen (dann bekäme ich wieder Kindergeld).
Bei der Steuerpolitik spielen Vermögen eben keine Rolle. Daher wird es mit dem Kindergeld schwierig. Egal wo wir hinschauen: Es wird praktisch immer das Gießkannenprinzip angewendet. Nicht nur das Kindergeld bekommen alle, sondern auch die Förderung zur energetischen Sanierung von Gebäuden oder Förderung bei E Autos, landwirtschaftliche Subventionen, die Mütterrente etc., die Liste ist lang. Es sind viele Milliarden. In der Corona Zeit besonders krass.
Der Staat fördert und subventioniert enorm, häufig eben auch über Steuererleichterungen, das macht aber nur Sinn, wenn man viel verdient. Auch die Supereichen bekommen alle Fördergelder und selbstverständlich wird alles mitgenommen. Es ist mehr als ein Schildbürgerstreich, es ist fatal. Das allein ist schon Grund genug, die Vermögensteuer wieder einzuführen, damit Vermögen überhaupt wieder erfasst werden. Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele. Das würde hier zu weit führen.

Der Rohrbruch:

Ich habe lange nach einem Bild gesucht, das die Gesamtsituation auf unserem Planeten in Bezug auf Steuern und Abgaben beschreibt.

Ich muss zugeben, dass Gerhard Schlick das beste Bild erdacht hat.

Er schrieb den Artikel: „Elon Musks Milliarden gehen uns alle an“

https://www.zeit.de/kultur/2025-01/vermoegensungleichheit-ursachen-vermoegenssteuer-reichtum-elon-musk

Er entwirft das Bild vom Rohrbruch. Unsere Welt als großes Haus mit einem Rohrbruch. Und dieser Rohrbruch ist das ungerechte Steuer- und Abgaben-system, das sogar zunehmend ungerechter wird. Anstatt dass wir gemeinsam versuchen diesen Rohrbruch zu flicken, streiten wir uns über andere Dinge.
Die einen wollen einen Eimer Wasser aus dem Keller holen, mit einer Vermögensteuer von 1%, die anderen wollen neue Mitbewohner rausschmeißen und zu den “guten alten Werten“ zurückkehren.
Wir spalten uns immer weiter in zwei Lager, bis wir nicht mehr miteinander reden und die eigentliche Ursache spiel kaum oder sogar gar keine Rolle. Wie verrückt ist das denn?
Die Brandmauern und Gräben vertiefen den Hass aufeinander. Unsere Kultur entwickelt sich zunehmend zu einer Hass Kultur.
Dabei wird das Loch im Rohr immer größer. Unsere Wirtschaft wächst immer weiter, vor allem durch die KI. In unserm Bild ist das Wirtschaftswachstum das Wasser im Rohrsystem des Hauses Erde. Das Wasser brauchen wir alle und es wäre auch mehr als genug da für alle – anstatt es sinnvoll und leistungsbezogen zu verteilen, saufen wir einfach ab. Nur gemeinsam können wir den Rohrbruch reparieren.
Wir müssen unbedingt zur Leistungsgesellschaft zurück und damit zur sozialen Marktwirtschaft sonst können wir die Demokratie nicht retten. Wir müssen den Rohrbruch durch eine Steuerrevolution und die Sozialversicherung 2.0 reparieren.
Die Menschen spüren diesen Rohrbruch, und radikalisieren sich zunehmend. Wir müssen endlich begreifen, dass dies der Nährboden für den weltweiten Rechtstrend ist. Die Menschen spüren die schreiende Ungerechtigkeit, und werden genau dort von den Rechtspopulisten abgeholt. Die AFD scheint in Deutschland für viele ein Heilsbringer zu sein, genau wie es Trump in den USA ist. Daher bringt ein Verbot auch nichts, denn es würde sich quasi über Nacht eine neue Partei bilden, die dann einfach anders hieße. (z.B. die jetzt Erst Recht Partei – Die ERP). Solange der Rohrbruch nicht repariert ist, solange werden alle Brandmauern, Kundgebungen und Anstrengungen nichts bringen. Im Gegenteil: Wir beleidigen Menschen, die im Grunde zu Recht sagen: Dieses System ist schlecht. Wir müssen uns endlich an die zu recht frustrierten Menschen wenden und sie nicht länger in die Nazischublade packen. Ja, es stimmt unser etablierter Staat, unser etabliertes System ist tatsächlich schlecht. Wir müssen es grundlegend ändern und ein gerechtes Steuer- und Abgabensystem einführen. Zurück zur Leistungsgesellschaft, zurück zur Sozialen Marktwirtschaft. Was die AFD euch verspricht, ist riesengroßer Unsinn, und macht alles nur schlimmer. Denn die AFD will die Steuer der oberen 15% der Bevölkerung noch weiter senken, als ohnehin schon und die Erbschaftsteuer komplett abschaffen. Damit wird der Rohrbruch zum Dammbruch. Genau diese Art Politik haben alle populistischen rechten Parteien gemeinsam und werden daher auch immer kräftig finanziell von einigen Superreichen unterstützt.

Höchste Zeit für eine Revolution

  1. Aufklärung
  2. Maßnahmen, die auf nationaler Ebene funktionieren, konsequent umsetzten
  3. Die EU muss Vorreiter werden – Wir brauchen eine Erklärung der UNO für die Welt

Aufklärung:

Zunächst muss das Problem überhaupt erkannt werden, logisch. Es geht nicht darum, dass auch die Wohlhabenden ihren Beitrag leisten, es geht darum die Demokratie zu retten. Das ist noch gar nicht begriffen worden. Es fehlt auch an den absoluten Grundlagen:

Das Thema Ungleichheit kommt zwar regelmäßig vor, wird aber nicht verstanden. Wenn zum Beispiel die Öffentlich-Rechtlichen und andere Medien über das Thema Ungleichheit berichten, wird üblicherweise nur der GINI-Index (ein Maß für Ungleichheit) für das Einkommen gezeigt. Der ist in Deutschland noch halbwegs o.k., allerdings auch nur im Vergleich zu anderen Ländern. Dann heißt es: „Alles halb so schlimm“. Die Vermögens-Ungleichheit wird komplett weggelassen.
Dabei ist sie das zentrale Problem. Denn die vermögende Hälfte ist natürlich auch die, die durchschnittlich ein höheres Einkommen hat und zusätzlich durch ihr Vermögen immer reicher wird. Geld fließt zu Geld.
Auch die Inflation wird einfach nicht verstanden, der Begrenzt-und-Begehrt Effekt existiert nicht einmal. Und das Wichtigste – wir erleben einen Wandel – wir werden zunehmend ungleicher- je mehr die Wirtschaft wächst. Stellen wir uns nur mal vor, wir würden beim Klima nicht vom Wandel sprechen, die Bedrohung wäre sofort weg. Es ist dann eben 1,5 Grad wärmer als sonst, schon schlimm, aber noch zu händeln. Doch derzeit sieht es ganz danach aus, dass es 2050 ganze 3 Grad sein werden, also bereits in 25 Jahren. Damit ist dann wirklich “Land unter“ im wahrsten Sinne des Wortes. Genauso ist es in der Gesellschaft:
Es muss eine gewaltige Aufklärungskampagne geben. Ich sehe gerade die öffentlich-rechtlichen da in der Pflicht. So könnte zum Beispiel der Gini-Index so überarbeitet werden, dass er die gesamte Ungleichheit, also Einkommen und Vermögen, zeigt und dies sollte der Bevölkerung vermittelt bekommen. Statt aktueller Börsenkurse in der Tageschau, dann die Entwicklung der Ungleichheit.

Wir könne das ändern. Allerdings ist es noch gar nicht in den Köpfen angekommen.

Es gibt eine Menge Maßnahmen, die auch national funktionieren:

Wir müssen unbedingt wieder Vermögen erfassen. Nicht nur für eine Vermögensteuer, sondern vor allem um endlich weiterhin die wirklich Reichen auch noch zu subventionieren. Eine Vermögensteuer muss unbedingt eingeführt werden. Wir haben eine ganze Reihe von Ländern die eine Vermögensteuer haben – es funktioniert. Auch bei der Erbschaftsteuer gibt es Potential, ohne unsere Wirtschaft zu gefährden. Vor allem wenn ganz Europa mitmacht.

EU muss voran gehen

Der entscheidende Schritt ist aber ein neues Steuer- und Abgabensystem. Holen wir uns die soziale Marktwirtschaft zurück, angepasst an die technisierte Welt.
Arbeit deutlich entlasten und Technik deutlich belasten. Steuerrevolution und Sozialversicherung 2.0. Die EU ist der zweitmächtigste Wirtschaftraum der Welt und hat damit Gewicht. Da sollten wir anfangen und mit gutem Beispiel vorangehen. Wir müssen endlich unseren Horizont erweitern und europäisch denken. Das ist ein durchaus realistischer erster Schritt und er könnte gewaltig was bewirken: Die Mieten gehen runter, die Rente ist gesichert und die Lebenshaltungskosten sinken. Das Wichtigste dabei: Wir kehren zur Leistungsgesellschaft zurück und die KI wird ein Segen statt Fluch.
Auch die Schweiz muss mitmachen, insbesondere das Kanton Schwyz, wo sich unzählige Superreiche tummeln wegen der fehlenden Erbschaftsteuer.
Am Ende brauchen wir allerdings eine Art Revolution für die ganze Welt. Das erscheint utopisch – ist es vielleicht auch, aber sonst werden wir die Demokratie nicht retten können. Von einem fairen Steuersystem würden 85% der Bevölkerung deutlich profitieren und die oberen 15% wären immer noch wohlhabend genug.

Selbst Chinas Diktator Xi Ping sieht das Problem, er möchte mehr Gleichheit und weniger Armut.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/xi-jinping-will-in-china-mehr-gleichheit-und-weniger-armut-17646931.html

Die UNO muss endlich faire Spielregeln aufstellen für die Welt. Nur wenn alle Steuern progressiv sind, ist das auch möglich. Ein Schwellenland hätte dann automatisch eine geringere Steuerlast, da das ganze System dann grundsätzlich progressiv wäre.

Es wäre fair und gerecht für alle.

1948 hat die UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verfasst. Ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit, denn es sind die einzigen Werte auf der Welt, die für alle gelten und damit universell sind. Alle anderen Werte, die es gibt sind hingegen relativ und im Prinzip austauschbar. Nur die Menschrechte nicht.
Genau das brauchen wir auch für gerechte und faire Steuern. Denn das betrifft auch alle. Nur so können wir die Demokratie retten, nur so unsere Welt friedlich und gerecht machen.

Es ist ein weiter Weg, und es wird alles andere als einfach. Ich denke es bleibt uns keine andere Wahl.
Ich freue mich über jede Art von konstruktiver Kritik und Verbesserung meiner Gedanken. Das ein oder andere muss sicher auch noch etwas korrigiert werden. Ich konnte nicht alles exakt recherchieren.

Winfried Vosskötter

Lorentzendamm 6-8

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winfried.vosskoetter@volteuropa.org

herrwinni@web.de

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Kommentare

Eine Antwort zu „Die Nationalfalle“

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